Liquidity Mining in der Steuererklärung: Kapitaleinkünfte oder nicht?

Dezentralisierte Finanzmärkte (DeFi) bieten Kryptoinvestoren vielfältige Möglichkeiten, mit ihren Kryptowährungen Gewinne zu erzielen. Eine beliebte Möglichkeit stellt das sogenannte Liquidity Mining dar.

Was ist Liquidity Mining?

Beim Liquidity Mining können Nutzer – vereinfacht gesagt – durch die Bereitstellung von Kryptowährungen für eine dezentrale Börse (DEX) als Gegenleistung eine Belohnung („Reward“) bekommen.

Konkret bringen Kryptoinvestoren dafür immer zwei Kryptowährungen als sogenanntes Handelspaar (z.B. ETH/DAI) in den Liquiditätspool der dezentralen Börse ein. Für die Bereitstellung der Liquidität in Form der Kryptowährungen erhält der Kryptoinvestor im Gegenzug unter anderem Tokens als Belohnung ausgezahlt.

Dem Investor steht es dabei frei, seine Kryptowährungen jederzeit wieder aus dem Liquiditätspool abzuziehen.

Sind Rewards steuerlich Kapitaleinkünfte?

Umstritten ist bereits, ob Gewinne und Verluste aus Kryptowährungen überhaupt besteuert werden dürfen. Diese Frage beschäftigt bereits die ersten Gerichte. Bis zu einer Entscheidung sollten Investoren ihre Gewinne immer erklären. Dabei stellt die steuerliche Einordnung der an den Liquidity-Mining-Investor ausgezahlten Belohnungen (Rewards) stellt Kryptoinvestoren vor Herausforderungen. Denn wie bei so vielen Themen in der DeFi-Welt sind auch beim Liquidity Mining die steuerlichen Aspekte nach wie vor weitestgehend ungeklärt.

Während gute Gründe dafür sprechen, die erhaltenen Belohnungen aus dem Liquidity Mining ähnlich wie Zinseinkünfte als Kapitaleinkünfte einzuordnen und damit pauschal mit 25 Prozent Kapitalertragsteuer (Abgeltungsteuer) zu besteuern, sieht die Finanzverwaltung dies regelmäßig anders.

Die Finanzbehörden gehen stattdessen üblicherweise von einer Einordnung der Rewards als Einkünfte aus sonstigen Leistungen nach § 22 Nr. 3 EStG aus. Für den Kryptoinvestor hat das den Nachteil der Besteuerung mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz. Bei den meisten Kryptoinvestoren wird dieser in der Regel über 25 Prozent liegen.

Was gilt bei Liquidity Mining für die Steuererklärung?

Option1: Einkünfte als sonstige Einkünfte deklarieren

Kryptoinvestoren, die Liquidity Mining betreiben, können es sich einfach machen und ihre Einkünfte in ihrer Steuererklärung als sonstige Einkünfte deklarieren – so, wie es die Finanzverwaltung meist ebenfalls tut. Nachdem das Finanzamt die Liquidity-Mining-Einkünfte zum persönlichen Einkommensteuersatz veranlagt hat, sollten sie allerdings in Erwägung ziehen, gegen den Steuerbescheid Einspruch einzulegen mit dem Ziel, das Verfahren aufgrund der unklaren Rechtslage ruhen zu lassen. Sollte dann der Bundesfinanzhof (BFH) eines Tages eine für den Kryptoinvestor günstige Einordnung der Einkünfte als Kapitaleinkünfte vornehmen, kann der Kryptoinvestor die zu viel gezahlten Steuern zurückverlangen. Der Nachteil: Zunächst muss der Steuerpflichtige die höhere Steuerlast tragen.

Option 2: Einkünfte als Kapitaleinkünfte erklären

Alternativ kann der Investor die Einkünfte entgegen der Ansicht der Finanzbehörden als Kapitaleinkünfte erklären, dies dem Finanzamt in seiner Steuererklärung auch offenlegen und steuerrechtlich begründen und im günstigsten Fall eine dementsprechende Veranlagung durch das Finanzamt erreichen. Die Rewards aus dem Liquidity Mining werden dann nur mit 25 Prozent versteuert. Sollte sich der BFH in Zukunft allerdings für die Ansicht der Finanzverwaltung entscheiden, muss der Investor mit Nachzahlungen zuzüglich Zinsen rechnen.

Welche der beiden möglichen Vorgehensweisen Kryptoinvestoren konkret wählen sollten, ist stets eine Frage des Einzelfalls. In jedem Fall ist eine Beratung durch einen erfahrenen Rechtsanwalt oder Steuerberater zu empfehlen, um gemeinsam eine optimale Strategie zu entwickeln und die finanziellen Risiken für den Steuerpflichtigen zu minimieren.

WINHELLER steht Ihnen zur Verfügung

Haben Sie Fragen zur Besteuerung von Liquidity Mining? Kommen Sie gerne auf uns zu. Unsere im Kryptosteuerrecht erfahrenen Rechtsanwälte und Steuerberater finden eine Lösung für Ihr Anliegen.


Rechtsanwalt Philipp Hornung hat sich auf die Bereiche kryptografische Währungen und Blockchaintechnologie spezialisiert. Er betreut gewerbliche und private Mandanten im Steuerrecht der Kryptowährungen. Neben seiner beratenden Tätigkeit vertritt er die steuerlichen Interessen von Mandanten in Einspruchsverfahren und vor Finanzgerichten. Die Kanzlei WINHELLER berät seit 2013 sowohl private Kryptoinvestoren als auch Unternehmen und hat sich damit als Pionier in der deutschen Kryptosteuerszene positioniert.

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