Kapitel 1

Was sind Kryptowährungen?

1. Geschichte von Bitcoin & Co.

Die Anfänge

Im Jahr 1993 erfand David Chaum DigiCash, die weltweit erste Form von digitalem Geld .

DigiCash-Transaktionen waren insofern einzigartig, da sie durch kryptographische Protokolle anonymisiert wurden. 1998 veröffentlichten Nick Szabo und Wei Dai ihre Ideen über rein digitale Währungen namens bit gold und B-Money. Obwohl beide nie wirklich den Durchbruch geschafft haben, waren diese ersten Versuche zentral für die Inspiration von Bitcoin.

Satoshi Nakamoto erfindet Bitcoin

Im Oktober 2008, die Welt war erschüttert von der Finanzkrise, publizierte eine Person (oder Gruppe) mit dem Pseudonym " Satoshi Nakamoto" ein Whitepaper mit dem Titel: "Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System ". Einen Monat später wurde das Bitcoin-Projekt bei einer "Open Source Community" namens SourceForge.net registriert. Der allererste Bitcoin, auch bekannt als der "Genesis Block", wurde am 03. Januar 2009 kreiert.

Satoshi Nakamoto tätigte die erste Transaktion von 50 BTC an folgende Adresse:

1A1zP1ePSQGefi2DMPTf TL5SLm v7DivfNa . Neun Tage später, am 12. Januar 2009, lud sich ein weiterer Pionier und Kryptograph die Bitcoin-Software herunter. Analysten schätzen, dass Satoshi Nakamoto rund eine Million Bitcoins geschürft hat, bevor er im Jahr 2011 spurlos verschwand . Die geschätzten $19 Milliarden in Bitcoins (zum Allzeithoch 2017) die Satoshi gehören, wurden nie wieder bewegt. Bis zum heutigen Tag bleibt Satoshis Identität ein Mysterium.

Fun Fact: Die erste bekannte, kommerzielle Transaktion mit Bitcoin tätigte ein Programmierer, welcher zwei Pizzas für 810,000 kaufte.

Wachstumsphase

2011 wurde Silk Raad gegründet, ein Online Marktplatz im Dark Web, der bis zum Shutdown durch das FBI, Bitcoin als seine Hauptwährung nutzte. Darüber hinaus wurden in diesem Jahr die ersten Bitcoin-Börsen gegründet und Bitcoin erreichte zum ersten Mal in der Geschichte Parität mit dem US Dollar (1 USD=1 BTC).

Im Jahr 2012 wurde die Bitcoin Foundation mit dem Ziel gegründet weiteres Wachstum und mehr Reichweite für Bitcoin zu ermöglichen. Das erste Halving fand am 28. November 2012 statt, wobei der Block-Reward (Miner-Belohnung) auf 25 BTC pro Block halbiert wurde. Die Marktkapitalisierung von Bitcoin überstieg im Jahr

2011 erstmals eine Milliarde.

Abbildung 1 Das Halving basiert auf dem Bitcoin Algorithmus, welcher den Block Reward halbiert, um das Angebot zu verknappen

Durch den Open-Source-Code, konnten zahlreiche andere Entwickler, basierend auf der Idee von Bitcoin, alternative Kryptowährungen entwickeln. Der erste sogenannte Altcoin wurde am 18. April 2011 gelauncht und trug den Namen “Namecoin”. Zwischen 2011 und 2014 begann die Zahl der Altcoins zu explodieren. Einer der vielleicht größten Erfolge, basierend auf der Grundidee von Bitcoin, durfte Vitalik Buterin verbuchen. Ein russisch-kanadischer Programmierer, der 2013 die Plattform Ethereum erfand, die es den Benutzern erlaubt, sogenannte Smart-Contracts zu erstellen. Ethereum war ein weiterer Meilenstein in der Welt der Kryptowährungen und bis heute hat es die zweitgrößte Marktkapitalisierung hinter Bitcoin.

Abbildung 2 Smart Contracts Features und Eigenschaften

Mt. Gox und Massenadoption

Im Februar 2014, wurde die Mt. Gox-Börse (verantwortlich für 70% aller Bitcoin Transaktionen zu dieser Zeit) gehackt. Sie musste schließen und meldete Insolvenz an. Während das Mt. Gox -Debakel ein schlechtes Licht auf Bitcoin warf, gab es die ersten Zeichen für eine Massenadoption.

Am 11. Dezember 2014 begann Microsoft Bitcoin als Zahlungsmittel zu akzeptieren . Im Jahr 2015 rief NASDAQ die Blockchain-basierte Trading-Plattform "NASDAQ LINQ" ins Leben. 2016 wurde mit OpenBazaar der erste dezentrale Marktplatz, mit Bitcoin als Zahlungsmethode, gegründet.

Der ICO Hype und Bitcoins Bullrun

Mehr und mehr Coins wurden entwickelt und 2017 entpuppte sich als Jahr der ICOs (Initial Coin Offerings). Ohne Regularien oder einen Börsengang Geld einzusammeln machte es den Entwicklern möglich, über Nacht an Liquidität zu gelangen. Gleichzeitig drängten tausende Spekulanten in den Markt, die ihr Geld in Coins steckten, ohne überhaupt das Produkt dahinter zu kennen. Dies rief Betrüger auf den Plan, mit dem Ziel möglichst viel Geld einzusammeln. Tausende Investoren verloren schlussendlich ihr Kapital.

Im Januar 2017 durchbrach der Bitcoin-Preis, seit 2014, das erste Mal die $1000 Marke. Die Zahl der Firmen, die Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptierten, stieg. Gesetzgeber und Finanzbranche interessierten sich mehr und mehr für das digitale Geld. Japan und Russland verabschiedeten Gesetze, um den Handel mit Bitcoin zu erlauben . Große Banken, wie Barclays, Citi Bank, Deutsche Bank und BNP Paribas fingen an, nach Möglichkeiten zu suchen um mit Bitcoin zu arbeit en. Die CME Group lancierte im Oktober 2017 Bitcoin-Futures und die Trading-Volumen stiegen weiter an. Der Bitcoin-Preis erreichte noch im selben Jahr Allzeit-Höchstwerte. Am 18. Dezember 2017 stieg der Kurs gemäss CoinMarketCap auf $19,891 und die Marktkapitalisierung überstieg $334 Milliarden US Dollar .

Abbildung 3 Bitcoin All-Time-High im Dezember 2017
Wie ging es weiter?

Die Blase begann kurz vor Weihnachten zu platzen und bis Ende Januar 2018 fiel der Kurs von knapp $20,000 pro Coin auf rund $10,000. Ende 2018 lag der Preis pro Bitcoin lediglich noch bei rund $3700. Im Jahr 2018 fingen Facebook, Google und Twitter an, Werbung für Kryptowährungen zu verbieten um Investoren vor Betrügern zu schützen. Im Oktober 2018, erhielt Coinbase, eine der größten Krypto-Börsen weltweit, eine Bankenlizenz in New York. Durch die neue Lizenz erwartete man weitere Adoption und Investments seitens traditionellen Finanzinstituten wie Banken und Hedgefonds. Gewisse Staaten erkannten, dass Kryptowährungen nicht einfach so wieder verschwinden würden, schlossen sich zusammen und fingen an Gesetze auszuarbeiten .

2019 kündigte Facebook an, eine eigene Kryptowährung namens Libra auf den Markt zu bringen. Allmählich erholte sich der Bitcoin-Kurs und stieg erstmals seit 15 Monaten wieder über $10,000. Am 11. Mai 2020 fand das dritte Halving statt und der Block-Reward fiel auf 6.25 BTC pro Block. Die Globale Corona-Krise wirkt sich stark auf die Finanzmärkte aus und Regierungen pumpen weltweit Billionen an Devisen-Rettungspaketen in die Wirtschaft. Droht schon bald die Inflation? Bitcoin gilt aufgrund seiner Dezentralität und festen Inflationsrate (1,80%) immer mehr als sicherer Hafen. Die Reise bleibt spannend!

2. Wie funktionieren Kryptowährungen?

Um zu verstehen wie Kryptowährungen funktionieren, müssen wir uns zuerst Bitcoin anschauen . Bitcoin ist das erste und bekannteste Beispiel einer Kryptowährung. Eine neue Form von digitalem Geld, basierend auf einem Blockchain-Protokoll. Kryptowährungen machen sich kryptographische Regeln zu Nutze, um Werte in einem dezentralen Netzwerk zu transferieren. Anders als das heutige Finanzsystem, gibt Bitcoin den Besitzern die totale Kontrolle über ihr Vermögen - überall und jederzeit auf der Welt.

Wie funktioniert Bitcoin?

Man kann sich das Bitcoin-Netzwerk als eine großes öffentliche Datenbank oder ein verteiltes Register vorstellen, in dem jede Transaktion in einer öffentlichen Liste namens Blockchain aufgezeichnet wird. Jeder Block repräsentiert eine Sammlung gültiger Transaktionen im Netzwerk. Um einen Block zu erstellen, müssen die Transaktionen von sogenannten Nodes (Computern) überprüft werden. Es wird kontrolliert, ob die Person, die die Kryptowährung ausgibt, über genügend Guthaben verfügt, um eine Transaktion abzuschließen .

Anschließend vergleichen die Computer die aktuellen Transaktionen mit dem vorherigen Transaktionsverlauf, der in der vorhandenen Blockchain gespeichert ist. Wenn die Transaktion gültig ist, kann sie dem Block hinzugefügt werden.

Nun benötigt der Block eine Signatur, um ihn der Blockchain hinzuzufügen . Diese Signatur wird als Block-"Hash" bezeichnet. Das Entschlüsseln des Hashes symbolisiert, dass ein Miner (Computer) Rechenleistung aufgewendet hat, um eine mathematische Rechnung zu lösen. Jeder Transaktionsblock erhält unterschiedliche Hashes, die es zu lösen gilt. Jeder Miner arbeitet an einem anderen Problem, das für den Block, den er gewählt hat, einzigartig ist. Daher könnte man sagen, dass der Hash der Fingerabdruck eines Blocks ist. Darüber hinaus erhält der Miner, der den Hash des Blocks als erstes löst, zunächst die Belohnung in Höhe von 6,25 BTC und die Transaktionskosten für alle Transaktionen im Block . Diese Tätigkeit, das Lösen eines Rätsels durch mathematische Berechnung, wird als Mining bezeichnet. Auf diese Weise entstehen neue Coins im Netzwerk . Gleichzeitig wird es durch das abgleichen des Hash Wertes vor Angreifern geschützt. Das Bitcoin-Netzwerk ist ein öffentliches, dezentrales Netzwerk . Niemand besitzt es und um Änderungen zu vollziehen, braucht es die Mehrheit der Teilnehmer.

Bitcoin Transaction

Abbildung 4 Schritt-für-Schritt-Anleitung einer Bitcoin-Transaktion

Falls du mehr über Bitcoin erfahren möchtest, werfe ein Blick in das White-Paper von Satoshi Nakamoto. Weitere Quellen findest du im Kapitel 9 dieses Guides. Wenn du mehr daran interessiert bist, Bitcoins zu kaufen und wissen möchtest, wie man diese am besten aufbewahrt, kannst du dir Kapitel 3 und 4 anschauen .

3. Eigenschaften von Bitcoin

Unveränderlichkeit

Der erste Unterschied zu herkömmlichem Geld ist, dass eine einmal geleistete Zahlung nicht mehr zurückgenommen werden kann. Unveränderlichkeit bringt mehr Vertrauen und Integrität in den Finanzsektor und den täglichen Austausch von Daten . Die Blockchain macht unveränderliche Transaktionen möglich, indem sie Metadaten aus dem vorherigen Block in jedem folgenden Block mit einbezieht. Wenn im vorherigen Block etwas geändert wurde, wird dies in jedem darauffolgenden Block erkannt. Diese Unveränderlichkeit löst das "Double Spending"-Problem, also die Möglichkeit, dass ein Teilnehmer sein Guthaben doppelt ausgibt. Die Unveränderlichkeit erhöht die Sicherheit des Datenaustauschs und der Datenspeicherung und vereinfacht den Prozess eines Audits. Beispielsweise könnte so besser überwacht werden, was mit Geldern von Hilfsorganisationen oder ganzen Staaten passiert.

Finanzsystem ohne Mittelsmann

Um heute Geld von A nach B zu senden braucht es eine Bank oder einen Dienstleister, um die Zahlung abzuwickeln. Es werden zusätzliche Gebühren verrechnet und da wären noch die traditionellen Arbeitszeiten, die zu einer Verzögerung beim Transfer führen können. Firmen, die solche Transaktionen abwickeln, kennen unsere persönlichen Daten und wissen wofür wir unser Geld ausgeben . Obwohl Intermediäre oftmals wertvolle Dienstleistungen erbringen, ist es eine Tatsache, dass je mehr Mittelsmänner in einem Prozess involviert sind, desto länger ein Prozess dauert. Darüber hinaus ist dieser Prozess teurer und birgt mehr Risiken für Missgeschicke oder Betrug.

Die Bitcoin-Blockchain löst dieses Problem. Sie dezentralisiert die Speicherung dieser Daten, so dass jeder Teilnehmer den gleichen Datensatz hält, jedoch keine einzelne Instanz über die Daten verfügt. Das bringt ebenfalls mehr Sicherheit, da es somit keinen einzelnen Angriffspunkt mehr gibt. Die Bewegungen im Netzwerk werden von den Teilnehmern kontrolliert, was eine Art der Demokratisierung darstellt.

Geld für alle

Auf die selbe Art und Weise wie das Internet den Benutzern erlaubt, Informationen weltweit in sekundenschnelle zu verbreiten, erlaubt Bitcoin Werte zu versenden ohne Restriktionen und Grenzen einhalten zu müssen. Ein Bankkonto zu haben ist für Leute in weit entwickelten Ländern selbstverständlich . Jedoch gibt es gemäß der Weltbank schätzungsweise immer noch 1.7 Milliarden Erwachsene weltweit ohne Bankkonto .

Transparenz

Viele Leute glauben, Bitcoin sei völlig anonym, was auf den ersten Blick richtig erscheinen mag. Wenn man sich die Blockchain ansieht, sieht man dort keinen einzigen Namen und auch keine anderen persönlichen Informationen. Das Netzwerk ist jedoch nicht wirklich anonym. Jeder Benutzer hat eine oder mehrere Adressen. Werden diese Adressen immer wieder benutzt, um Coins zu versenden, ist es nicht sonderlich schwierig nachzuvollziehen, dass alle Transaktionen von derselben Person getätigt wurden. Das Netzwerk bedient sich also an Pseudonymen und gewährleistet so gleichzeitig Transparenz. Im Gegensatz zum traditionellen Geldsystem kann nun jeder nachvollziehen welche Coins an welche Adresse gesendet wurden.

Mit dem Bitcoin Block Explorer können alle Adressen und Transaktionen aus dem Bitcoin-Netzwerk verfolgt werden. Dieses Prinzip wird auch in anderen öffentlichen Blockchains angewendet, wie zum Beispiel bei Ethereum mit Etherscan.

Deflationär

Die maximale Menge an Bitcoin ist limitiert auf 21 Mio. Coins. Heute sind bereits über 18 Millionen auf dem Markt und der letzte Bitcoin wird voraussichtlich 2041 geschürft, da sich die Menge an ausgeschütteten Coins alle vier Jahre halbiert. Wenn dieses Limit erreicht ist, wird es keine neuen Bitcoins mehr geben. Es wird das erste Geldsystem mit einem festen Geldmenge sein. Für Leute die in Ländern leben, in denen Hyperinflation herrscht, ist Bitcoin bereits heute ein Wertaufbewahrungsmittel und eine mögliche Alternative zu Gold.

Volatilität

Obwohl Bitcoin auf dem besten Weg ist, um das digitale Gold zu werden, bleibt es mittelfristig eine extrem volatile Währung. Ein Großteil der Leute benutzt Bitcoin, um zu traden und spekulieren und nicht zum Bezahlen von täglichen Gütern. Verglichen mit den traditionellen Finanzmärkten ist die Marktkapitalisierung nach wie vor sehr niedrig. Da die Technologie noch sehr jung ist, kommen immer wieder neue Regulationen aus verschiedenen Ländern dazu, die die Unsicherheit befeuern. Zum Schluss wären da noch die Medien, die immer wieder für Euphorie oder Ernüchterung sorgen.

4. Arten von Kryptowährungen

Bitcoin

Bitcoin war die erste dezentrale Peer-to-Peer Währung auf dem Markt. Bitcoin wurde 2009 ins Leben gerufen um eine Alternative zum heutigen System zu bieten und Geldohne eine Drittpartei zu transferieren. Die Idee hinter Bitcoin ist, durch den für jeden zugänglichen Open Source Code und das Miteinbeziehen aller Teilnehmer, das globale Finanzsystem zu demokratisieren. Das Netzwerk stützt sich auf ein kryptographisches Protokoll um die Schöpfung neuer Coins zu definieren und die Transaktionen zu validieren. Um Änderungen am Protokoll vorzunehmen benötigt man stets die Mehrheit aller Teilnehmer.

Ethereum

Während Bitcoin das Wahrzeichen aller Kryptowährungen darstellt, hat sich Ethereum in den letzten Jahren zu einem fast ebenbürtigen Konkurrenten entwickelt. Wie Bitcoin ist Ethereum eine dezentrale, öffentliche Blockchain. Ethereum übernahm die Technologie hinter Bitcoin und entwickelte sie im Hinblick auf die Interaktion innerhalb des Netzwerkes und deren Möglichkeiten weiter. Der größte Unterschied ist, dass Ethereum den Benutzern ermöglicht, dezentralisierte Anwendungen (D'Apps) auf der Ethereum-Blockchain zu kreieren. Normale Apps funktionieren über zentrale Server, wobei D'Apps Teil von einem P2P-Netzwerk sind. Sie haben mehrere Eigenschaften welche sie von den heutigen Standards unterscheiden. Sie funktionieren anhand eines dezentralisieren Konsensus-Systems, was den Benutzern die Kontrolle über die Vorgänge auf der Plattform gibt. D'Apps benutzen Open-Source-Codes, was zulässt dass jeder Teilnehmer Änderungen am Protokoll vornehmen kann, insofern diese von der Mehrheit akzeptiert werden. Um das Netzwerk abzusichern, können den Teilnehmern Anreize ( z.B in Form von Tokens) gesetzt werden, um sich korrekt zu verhalten. Die erste bekannte Anwendung einer D'App war Crypto Kitties . Ein Spiel in dem man virtuelle Katzen sammeln und handeln kann. Während dieses Spiel eher der Unterhaltung dient, könnten dezentralisierte Anwendungen in Zukunft unsere Apps in vielen Bereichen ablösen .

Während Bitcoin darauf abzielt, Probleme in der globalen Finanzwelt zu lösen, könnte Ethereum durch den Einsatz von sogenannten Smart-Contracts die Notwendigkeit von Drittparteien in vielen anderen Systemen eliminieren. Smart-Contracts sind Codes, die einfache "Wenn-dann" und "Wenn-dann-sonst" Aussagen darstellen. Nehmen wir als Beispiel einen Getränkeautomaten: Vertragsbedingung ist der Einwurf einer Münze für den Erwerb eines Get ränkes. Wird zu wenig Geld eingeworfen, wird der Vertrag, von der Maschine, als nicht gültig erklärt, da die Bedingungen nicht erfüllt wurden. Werden hingegen alle Vertragsbestimmungen erfüllt, erhält der Käufer sein Produkt. Anstatt das eine Drittpartei prüft, ob alles mit rechten Dingen zugeht, erledigt das hier der Code.

Abbildung 5 Ein Beispiel eines Smart Contracts anhand einer Flugbuchung
Altcoins

Seit der Gründung von Bitcoin im Jahr 2009 sind viele alternative Kryptowährungen in den Markt gekommen. Heute gibt es über 5000 Kryptowährungen. Im Allgemeinen ist das Konzept hinter den Altcoins immer noch Bitcoin. Einige von ihnen kopierten lediglich die Bitcoin-Blockchain, passten einige Netzwerk-Metriken an und verkauften es als eine neue Erfindung. Andere sind innovativer und decken echte Bedürfnisse in der Branche ab.

Einige Beispiele für beliebte Altcoins sind Ether, Ripple, Tether, Cardano oder EOS.

Im laufe der Entwicklung entstanden, aufgrund unterschiedlicher Anwendungsfälle, verschiedene Kategorien von Coins.

Privacy Coins

Bei Privacy Coins hat der Schutz der Privatsphäre und der Identität der Benutzer oberste Priorität. Monero ist bei weitem der beliebteste Privacy Coin der Welt. Das Netzwerk macht Transaktionen durch eine besondere Art von Signaturen und Adressen komplett anonym. Dadurch werden die Identitäten der Absender als auch der Empfänger verborgen.

Stable Coins

Stable Coins sind 1:1 an eine bestimmte Währung gebunden, um die Volatilität auf den Krypto-Märkten zu minimieren. Es gibt asset backed on-chain Stable Coins, die durch Krypto-Währungen (auf der Blockchain) gedeckt sind, asset backed off-chain Stable Coins, die durch eine Fiat-Währung wie USO gedeckt sind und sogar algorithmische Stable Coins mit dem Ziel, Währungsverluste zu minimieren.

Token

Während Coins austauschbar, teilbar und in ihrem Angebot begrenzt sind, kann ein Token alles, von einem Wertaufbewahrungsmittel bis hin zu einer Reihe von Zertifikaten in der physischen, digitalen oder legalen Welt darstellen. Die Übertragung von Token auf einer öffentlichen Blockchain ermöglicht den Teilnehmern minimale Besitzanteile an Vermögenswerten zu erwerben oder zu veräußern und kann Liquidität auf den Märkten freisetzen. Sie können in blockchainbasierten Voting-Systemen als Stimme dienen oder Sicherheiten repräsentieren. Der Hauptunterschied zwischen Coins und Token besteht darin, dass Token auf bestehenden Blockchains erstellt werden können, während Coins auf einer eigenen Plattform basieren und meist eine Währung darstellen.

Eine mögliche Kategorisierung stellen die Fungible Tokens und die Non-Fungible Tokens dar.

Bei Fungible Tokens haben alle Einheiten des jeweiligen Tokens dieselbe Funktion und den gleichen Wert.

Fungible Tokens
  • Utility Tokens bieten ihren Benutzern (zukünftigen) Zugang zu Produkten oder Dienstleistungen an.

  • Security Tokens verwenden Vermögenswerte wie Immobilien, Aktien, Gold usw. als Sicherheiten.

  • Platform Tokens unterstützen dezentralisierte Anwendungen, die auf der Blockchain aufbauen .

  • Transactional Tokens werden als Rechnungseinheiten für Güter und Dienstleistungen verwendet.

  • Governance Tokens dienen als Stimme in Voting-Systemen auf der Blockchain.

In einigen Fällen ist es nicht einfach, ein Token zu kategorisieren, da die Klassifizierung nicht 100% eindeutig ist - viele Token können z.B als Sicherheitstoken und Utility Tokens qualifiziert werden.

Non-Fungible Tokens

Alle Non-Fungible Tokens existieren lediglich einmal. Sie funktionieren als Zertifikate oder digitale Identitäten um den Ursprung von Daten nachzuweisen. Der Token bescheinigt dann z.B Besitzverhältnisse oder Rechte eines einzelnen. Die sogenannten Colored Coins waren eines der ersten Projekte die versucht haben, Besitzverhältnisse (z.B von Aktien, Anleihen oder Grundeigentum) auf die Blockchain zu bringen. Das Ziel ist den Transfer von Werten über das Internet für jeden möglich zu machen und Kosten für Intermediäre zu reduzieren.

Abbildung 6 Colored Coins war eines der ersten Projekte das versucht hat, Werte und Rechte auf die Blockchain zu bringen.

Disclaimer: Viele Altcoins und Token sind nicht wirklich dezentral und der Bestand wird teilweise von deren Gründern kontrolliert. Es ist durchaus möglich, dass 90% aller Kryptowährungen wieder verschwinden werden und nie wirklich ihr Potential entfalten können . Bevor du dein Geld in irgendwelche Kryptowährungen steckst, solltest du dir ein eigenes Bild schaffen. In Kapitel 5 behandeln wird dieses Thema ausführlicher.