Kapitel 4

Wie kann ich Kryptowährungen aufbewahren?

Intro

Dezentrale Netzwerke geben ihren Benutzern die volle Kontrolle über ihre Daten. Sie ermöglichen es den Benutzern erforderliche Aufgaben auszuführen, die zuvor an Dritte delegiert wurden. Anstatt dass man sein Erspartes zu einer Bank bringt und diese es dann in einem Tresor aufbewahrt, ist es nun möglich, sein Vermögen dezentral auf der Blockchain zu speichern.

Natürlich funktionieren viele Unternehmen im Krypto-Universum nach wie vor nach dem gleichen Prinzip wie Banken: Sie nehmen Ersparnisse entgegen und verwalten diese als Dienstleistung. Dabei werden wieder persönliche Daten ausgetauscht und das Konzept hinter Bitcoin & Co. verliert an Bedeutung. Kryptowährungen auf einer Börse zu verwahren ist ebenfalls keine gute Idee. Vor allem wenn man an die Millionen von Dollar denkt, die Krypto-Enthusiasten bereits durch Hacks oder Betrügereien verloren haben. Jedoch wurde ursprünglich die Aufbewahrung von Kryptowährung auch ganz anders geplant, nämlich anhand von sogenannten Wallets beim jeweiligen Benutzer.

Wallets

Wallets sind in der Welt der Kryptowährungen die neuen Bankkonten. Sie erlauben es dem Benutzer innerhalb eines Netzwerkes Daten zu speichern. Zugang zu diesen Daten hat alleine die Person mit dem jeweiligen Schlüssel für diese Daten, dem Private Key. Hingegen dem weit verbreiteten Irrglauben, dass man auf seiner Wallet Bitcoins aufbewahrt, hält man dort vielmehr die privaten Schlüssel, mit denen man auf eine öffentliche Bitcoin-Adresse zugreifen kann, um Transaktionen auszuführen.

Abbildung 17 Mit einer Wallet kann man jederzeit Bitcoin transferieren.

Private Keys

Private Schlüssel werden für den Zugriff auf Bitcoins und andere Coins benötigt. Ohne den privaten Schlüssel, der den Zugang zur jeweiligen Adresse im Netzwerk darstellt, ist es unmöglich, auf das Vermögen zuzugreifen. Zu jeder Wallet gehört ein privater und ein öffentlicher Schlüssel. Der öffentliche Schlüssel wird verwendet, um Empfangsadressen zu erstellen und somit Bitcoin empfangen zu können. Um empfangene Bitcoin zu transferieren, benötigt man hingegen ein besonderes Passwort. Dieses Passwort wird als privater Schlüssel bezeichnet.

Beispiel für einen privaten Schlüssel: 7Kb8kLf9zgWQNogldDA76MzPL6TsAZY36hWxM0sSzNydYXYB9LF

Es ist wichtig zu beachten, dass derjenige, der den privaten Schlüssel besitzt, derjenige ist, der Zugang zum Geld hat. Ein weit verbreitetes Sprichwort unter Krypto-Usern lautet: "Not your Keys, not your Coins!"

Risiken

Man geht davon aus, dass fast 20% aller Private Keys, der sich im Umlauf befindenden Bitcoins, bereits verloren gegangen sind! Die hohe Sicherheit, die das Netzwerk mit sich bringt, wird hier zu einem Nachteil. Ohne den privaten Schlüssel ist es unmöglich, auf die verlorenen Bitcoin zuzugreifen. Das Verlegen von Zugangscodes hat zu einer neuen Art von Schatzsuche geführt. Es gibt sogar Krypto-Jäger, die sich auf die Suche nach verlorenen Schlüsseln begeben.

Der berüchtigte Blockchain Bandit stellt eine weitere Gefahr für Krypto-User dar. Hacker versuchen ständig, Bitcoin und andere Coins zu stehlen, indem sie es probieren an private Schlüssel zu gelangen. Einige von ihnen verwenden komplexe Methoden, um schlecht gesicherte Private Keys zu erraten. Der Blockchain Bandit ist bekannt dafür, dass er durch das Erraten von solchen Zugängen über 45'000 ETH ergaunert hat. Nicht wenige Betrüger nutzen die Unerfahrenheit von Neulingen aus, um an deren Geld zu gelangen.

Es gibt weitere Risiken beim Verwahren von Kryptowährungen . Diese hängen jedoch von der Art des Wallets ab, in der sie aufbewahrt werden. Manche Wallets stellen Benutzerfreundlichkeit über Sicherheit und umgekehrt, deshalb schauen wir uns die verschiedenen Möglichkeiten einmal genauer an.

Arten von Wallets

Hot Wallets vs Cold Wallets

Der wahrscheinlich wichtigste Unterschied zwischen Wallets ist, ob sie Online (Hot) oder Offline (Cold) arbeiten. Es ist definitiv bequemer Online Wallets zu nutzen, da diese über eine App oder den Desktop gesteuert werden können. Allerdings bringen sie das Risiko mit sich, durch Angriffe über das Internet gehackt zu werden. Große Beträge sollten nie auf einer Online Wallet gehalten werden, da das Risiko besteht alles zu verlieren.

Ersparnisse und Investitionen sind in sogenannten Cold Wallets besser auf gehoben. Diese sind nicht mit dem Internet verbunden . Das einzige Risiko ist hier der Verlust der physischen Wallet. Der Zugang zu den Coins lässt sich jedoch mit dem Private Key (falls noch vorhanden), über eine neue Wallet wiederherstellen. Kein Hacker hat Zugriff auf die privaten Schlüssel, die mit der Wallet aufbewahrt werden. Sie müssten die Wallet physisch stehlen, und den aus 24 Wörter bestehenden Code (auch Seed genannt) kennen, um in den Besitz des Geldes zu gelangen. Solche Wallets sind für diejenigen zu empfehlen, die mehr Wert auf Sicherheit legen und nicht nur auf Bequemlichkeit achten . Die am häufigsten verwendeten Cold Wallets sind Hardware und Paper Wallets . Es empfiehlt sich keine gebrauchten Hardware Wallets zu kaufen, da das Risiko besteht, dass diese vorher manipuliert wurden.

Abbildung 18 Eine Cold Wallet ist vergleichbar mit einem Tresor in der Größe eines USB Sticks.

Mobile Wallets

Die wahrscheinlich bequemste Art zur Aufbewahrung von Kryptowährungen ist die Mobile Wallet. Diese Art von Hot Wallet speichert private Schlüssel auf dem Gerät (z.B IPhone) statt auf dem Server eines Drittanbieter s. Es gibt zwei Risiken bei der Verwendung von Mobile Wallets . Das erste besteht darin, dass die privaten Schlüssel Gefahr laufen, von Hackern gestohlen zu werden, da ein Mobilgerät normalerweise mit dem Internet verbunden ist. Das zweite Risiko ist der Verlust des Gerätes mit den privaten Schlüsseln.

Mobile Wallets können durch ihre Benutzerfreundlichkeit punkten und eignen sich für häufige Transaktionen am besten. Mobile Wallets dürfen nicht mit Website Wallets verwechselt werden, die Zugang über eine App bieten. Es handelt sich dabei nicht um Mobile Wallets, sondern um Online Wallets .

Online Wallets

Eine der bekanntesten Wallets überhaupt ist die Coinbase Wallet. Es handelt sich hier um eine Online Wallet bei der die privaten Schlüssel von einer Drittpartei verwahrt werden. Sie funktionieren also im Grunde wie eine Bank . Sie verwahren das Geld, bis es der tatsächliche Besitzer verwenden möchte. Wenn man eine Online Wallet verwenden möchte, ist es ratsam populäre Anbieter zu verwenden. Online Wallets sind etwas unsicherer, aber sehr praktisch.

Da die Private Keys online gespeichert werden, zielen Hacker auf diese Server ab, um an private Schlüssel und das Geld, mit dem sie verknüpft sind, zu gelangen. Anbieter von Online Wallets integrieren ständig neue Sicherheitsmechanismen, um dies zu verhinde rn. Beispielsweise bietet Coinbase eine zusätzliche Funktion zur Sicherung von Wallets an, die es möglich macht die Coins offline zu speichern. Online Wallets sind auch deshalb eine bequeme Art seine Coins zu verwahren, weil auf private Schlüssel von überall her zugegriffen werden kann. Diese Vorgänge sind einfacher geworden, seit die meisten Online Wallets den Benutzern Zugang über ihre mobilen Geräte ermöglichen .

Desktop Wallets

Desktop Wallets gelten als "Hot Wallets", da sie über den Desktop eine Verbindung zum Internet herstellen können. Auch hier gilt: Wenn der Computer gestohlen wird oder abstürzt, sind die privaten Schlüssel weg, sofern keine externe Kopie davon angefertigt wurde. Desktop Wallets sind möglicherweise am ineffizientesten, da sie nicht so praktisch sind wie Mobile oder Online Wallets. Außerdem sind sie nicht so sicher wie ein Offline Wallet.

Hardware Wallets

Hardware Wallets sind Geräte, die wie ein USB-Stick dem Zweck dienen, Daten zu speichern. Diese Art der Aufbewahrung ist eine der sichersten, da die Schlüssel auf einem unabhängigen physischen Gerät ohne direktem Zugang zum Internet gespeichert werden. Die einzige Möglichkeit für Hacker an die privaten Schlüssel zu kommen besteht darin, die Wallet physisch zu stehlen. Deshalb gibt es eine weitere Schutzebene - ein Code für den Zugriff auf das Wallet. Die Sicherheit steigt auf Kosten der Bequemlichkeit. Da der Zugriff nur möglich ist, wenn die Wallet an einen Computer angeschlossen ist, eignen sich solche Wallets nur bedingt für den täglichen Gebrauch. Hardware Wallets bieten jedoch eine äußerst sichere Möglichkeit die eigenen Coins auf zubewahren .

Paper Wallets

Abbildung 19 Eine Paper Wallet: Seed (12-24 Wörterfolge) und Private Key auf einem Blatt Papier

Paper Wallets bestehen aus der Aufbewahrung privater Schlüssel auf Papier. Dazu wird der private Schlüssel und der dazugehörige Code niedergeschrieben. So hat niemand Zugang zu den Private Keys, da sie nur auf Papier existieren. Es ist die sicherste Art von Wallet, wenn sie an einem sicheren, geheimen Ort aufbewahrt wird. Gleichzeitig ist sie aber relativ unpraktisch im täglichen Gebrauch. Es wird empfohlen, Paper Wallets nur für langfristige Ersparnisse und Investitionen zu verwenden.

Die beste Wallet

Hier kommt es wieder darauf an zu welchem Zweck eine Wallet verwendet wird und welche Funktionen dem Benutzer am wichtigsten sind. Falls Bitcoin über einen längeren Zeitraum gehalten werden soll, empfiehlt sich eine Cold Wallet.

Hot Wallets sind die beste Option für User, die ihre Kryptowährungen häufig verwenden und eine hohe Benutzerfreundlichkeit als notwendig ansehen. Die Private Keys können von überall auf der Welt benützt werden, insofern eine Internetverbindung besteht.

Es ist und bleibt eine endlose Debatte über Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit. Zu berücksichtigen ist sicher die Menge an Geld die gespeichert wird. Am besten schaut man sich die verschieden Kategorien an und wählt eine, die am besten passt.