Kapitel 4

Wie versteuere ich Verluste aus dem Kryptohandel?

Was passiert mit meinen Kryptoverlusten?

Kommen wir zum Kernthema dieses Teils unseres Krypto Steuer Guides: Was passiert eigentlich, wenn nach der obigen Rechnung meine Kryptogeschäfte unter dem Strich einen Verlust ausweisen? Kann ich aus meinen Verlusten irgendeinen steuerlichen Vorteil ziehen?

Verrechnung mit privaten Veräußerungsgeschäften

Ein Verlust kann zunächst mit Gewinnen aus anderen privaten Veräußerungsgeschäften desselben Kalenderjahres verrechnet werden. Das sind nicht nur Gewinne aus dem Handel mit Kryptowährungen, sondern auch andere steuerpflichtige private Veräußerungsgeschäfte, namentlich Grundstücksverkäufe bei einer Haltedauer von unter zehn Jahren oder Leerverkäufe von Wirtschaftsgütern.

Beachtung der Freigrenze

Auf die so errechneten Gewinne oder Verluste aller privater Veräußerungsgeschäfte eines Steuerpflichtigen in einem Jahr ist dann zunächst die Freigrenze von derzeit 600 Euro anzuwenden. Diese kann auch bei Ehegatten nicht übertragen werden.

Verrechnung mit Ehepartner

Verbleibt nach dieser Berechnung für einen Steuerpflichtigen in einem Kalenderjahr ein Verlust, so wird dieser mit steuerpflichtigen Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet, die sein Ehepartner in demselben Jahr erzielt hat. Hat der Ehepartner Gewinne unterhalb der Freigrenze von 600 Euro erzielt, kommt es nicht zu dieser Verrechnung.

Verlustvorträge und Anrechnung in anderen Jahren

Ein Verlust, der in einem Kalenderjahr nicht ausgeglichen wird, kann bei dem Steuerpflichtigen entweder ins letzte Jahr zurück- oder in künftige Jahre vorgetragen werden.

Dies bedeutet, dass Verluste aus dem Jahr 02 die seinerzeit steuerpflichtigen Gewinne aus 01 mindern und /oder künftige Gewinne aus den Jahren 03 und später mindern können. Bei der Rücktragung ist aber zu beachten, dass maximal eine Million Euro an Verlusten (zwei Millionen bei Ehegatten) zurückgetragen werden können.

Auch hier sind wieder Verluste zunächst auf eigene Gewinne des Steuerpflichtigen zurückzutragen. Sofern diese Gewinne vollständig verrechnet wurden, können weitere Verluste aber auch mit Gewinnen des Ehegatten aus früheren Jahren verrechnet werden.

Nachdem Verluste mit vergangenen Gewinnen verrechnet wurden, werden noch verbleibende Verluste gesondert festgestellt und können in späteren Jahren mit Gewinnen verrechnet werden.

Verrechnung nur innerhalb von Einkunftsarten

Wichtig ist dabei, dass eine Verrechnung stets nur mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften, nicht aber aus anderen Einkunftsarten möglich ist.

Verluste aus der Veräußerung von Kryptowährungen können daher Gewinne aus einem Grundstücksverkauf mindern, sofern dieser zu einem steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn führt.

Kryptoverluste mindern aber nicht etwa Vermietungseinkünfte oder Einkünfte aus einer selbstständigen Tätigkeit.

Haltefristen beachten

Der Besteuerung unterliegen nur Veräußerungen von Kryptowährungen, die innerhalb der Haltefrist von einem Jahr getätigt werden. Dementsprechend können auch nur Verluste als private Veräußerungsgeschäfte berücksichtigt werden, die aus Verkäufen innerhalb dieser Frist stammen.

Veräußerungsgewinne aus Verkäufen von Kryptos, die länger als ein Jahr gehalten wurden, sind steuerlich nicht relevant - sie gehen komplett unter. Kurz vor Ablauf der Jahresfrist ist es also aus steuerlicher Sicht höchste Zeit, über einen Verkauf nachzudenken. Wenn schon ein Verlust realisiert werden soll, dann besser vor Ablauf der Jahresfrist als danach. Beachtet werden sollten hierzu auch die folgenden Ausführungen unter „Wie viele Steuern darf ich sparen?".

Sonderfall Staking

Schwierig ist die Lage, wenn Coins, die zum Staking genutzt wurden, mit Verlust verkauft werden. Hier ist unklar, ob wegen des Stakings für die Coins eine verlängerte Haltefrist von zehn Jahren gilt. Dies würde dazu führen, dass auch Verluste, die innerhalb der verlängerten Frist erzielt wurden, steuerlich geltend gemacht werden können. Allerdings ist umstritten und unklar, ob die Verlängerung der Haltefrist für Coins gilt, mit denen Staking betrieben wurde.

Wie viele Steuern darf ich sparen?

Es ist darauf hinzuweisen, dass willkürlich verursachte Veräußerungsverluste als steuerlich irrelevant zu betrachten sind, wenn sie missbräuchlich herbeigeführt wurden.

Dies könnte zum Beispiel dann der Fall sein, wenn solche Verluste durch Verkäufe kurz vor Ablauf der Haltefrist herbeigeführt wurden und die veräußerte Position sogleich vom Käufer der Coins wieder zurückgekauft werden.

In einem solchen Fall könnte die Finanzverwaltung annehmen, dass ein Verkauf nicht ernsthaft gewollt war. Er könnte nur deshalb durchgeführt worden sein, um Verluste zu „produzieren", die steuerlich berücksichtigt werden sollten. In einem solchen Fall könnte ein steuerlicher Gestaltungsmissbrauch vorliegen. Die getätigten Verkäufe blieben dann unberücksichtigt und die daraus resultierenden Verluste könnten nicht mit Gewinnen aus anderen Veräußerungen verrechnet werden.

Steuern sparen vs. Gestaltungsmissbrauch - ein schmaler Grat

Eine solche missbräuchliche Gestaltung ist zwar nach der Rechtsprechung nicht bereits dann anzunehmen, wenn ein Steuerpflichtiger die Absicht verfolgt, Steuern zu sparen. Eine „Gestaltung ohne jeden wirtschaftlichen Grund" soll wiederum sehr wohl schädlich sein. Ein Missbrauch liegt also nahe, wenn die gewählte Gestaltung keinerlei wirtschaftlichen Wert oder Grund hat und einzig dazu dient, ein steuerlich gewünschtes Ergebnis herbei zu führen. Die genannten Formulierungen liegen offensichtlich nahe beieinander.

Es muss also stets im Einzelfall geprüft werden, ob ein vereinbarter Verkauf, mit dem Verluste noch innerhalb der Jahresfrist realisiert werden sollen, um sie mit steuerpflichtigen Gewinnen verrechnen zu können, steuerlich anerkannt werden wird oder nicht. Im Zweifel sollten Investoren sich mit einem auf Kryptosteuern spezialisierten Rechtsanwalt oder Steuerberater beratschlagen, wie vorzugehen ist. Denn es sprechen natürlich auch gute Gründe gegen die Versuche der Finanzverwaltung, vorschnell von einem steuerlichen Gestaltungsmissbrauch auszugehen.

Immerhin hat der Gesetzgeber die Jahresfrist explizit ins Gesetz geschrieben. Es stellt sich daher die Frage, warum der Steuerpflichtige sie nicht auch ernst nehmen darf - und zwar in jeder Hinsicht.