Kapitel 3

Wie optimiere ich die Steuern meiner Kryptogewinne?

Der einzelne Coin als Gegenstand der Besteuerung

Die Besteuerung von privaten Veräußerungsgeschäften ist objektbezogen. Nirgends wird das deutlicher als bei der Besteuerung von Immobilien, die innerhalb von zehn Jahren nach ihrer Anschaffung steuerfrei verkauft werden können. Objekt der Besteuerung ist die Immobilie selbst. Die Steuerpflicht tritt auch ein, wenn nur Teile des Grundstücks verkauft werden oder wenn Anteile an einer Personengesellschaft übertragen werden, zu deren Vermögen ein Grundstück gehört. Das Besteuerungsobjekt wird anteilig den jeweiligen Gesellschaftern oder Mitgliedern einer Eigentümergemeinschaft zugerechnet. Gegenstand der Besteuerung ist nicht die Beteiligung an der Gesellschaft oder Gemeinschaft, sondern stets die anteilig zugerechnete Immobilie selbst.

Bei der Besteuerung von Kryptowährungen ist dies nicht anders. Auch hier werden die Bestände an Coins anteilig den wirtschaftlich Berechtigten zugerechnet. Gegenstand der Besteuerung ist jeder einzelne Coin. Bei jeder veräußerten Position stellt sich die Frage, ob ein privates Veräußerungsgeschäft vorliegt oder nicht.

Grundsätzlich zählt jeder Coin für sich

Die Frage, ob ein privates Veräußerungsgeschäft vorliegt oder nicht, wird über die Haltedauer bestimmt. Hat der Steuerpflichtige einen bestimmten Coin mehr als ein Jahr gehalten, kann er ihn steuerfrei verkaufen. Vom Grundsatz her ist diese Berechnung und damit die gesamte Besteuerung an jeweils einen bestimmten Coin gebunden.

Es werden jedoch in der Regel mehrere gleichartige Coins gekauft und gehalten. Sie sind nicht immer individualisierbar, anders als eine Immobilie, weil sie sich auf derselben Wallet vermischen. Bei einem Coin, der verkauft wird, ist daher nicht immer eindeutig bestimmbar, wann er angeschafft wurde.

Ein Nutzer kann mehrere Coins derselben Währung zu unterschiedlichen Zeitpunkten angeschafft haben. Hält er alle

diese Coins in einer Wallet, kann er die Coins nicht mehr unterscheiden. Er kann daher, wenn er einen Coin aus dieser Wallet verkauft, nicht mehr bestimmen, welchen Coin mit welchem Anschaffungsdatum er verkauft. Dieses Datum aber benötigt er, um die Haltefrist zu bestimmen. Davon hängt ab, ob der Verkauf steuerpflichtig ist oder nicht.

Auf die Veräußerungsreihenfolge kommt es an

Zur Klärung der Frage, welcher Coin konkret verkauft wurde, sind verschiedene Methoden denkbar.

Im Gesetz ausdrücklich erwähnt ist die sogenannte First-in-first-out-Methode (Fifo). Sie ist beim Verkauf von gleichartigen Fremdwährungsbeträgen anzuwenden. Das bedeutet, dass Währungen, die zuerst angeschafft wurden, als zuerst verkauft gelten.

Diese gesetzliche Regelung will die Finanzverwaltung auch auf Bitcoins und vermutlich auch auf andere Kryptowährungen übertragen.

Fifo für jede Wallet separat

Die Frage ist weder gerichtlich noch durch die Finanzverwaltung geklärt. Es sprechen aber gute Gründe dafür, dass die Fifa-Methode nur auf die einzelne Wallet bezogen anzuwenden ist. Der wesentliche Grund hierfür ist, dass private Veräußerungsgeschäfte eben-wie oben beschrieben - objektbezogen besteuert werden. Daraus lässt sich ein Vorrang ableiten. Danach gilt die Fifa-Methode zur Bestimmung eines Coins erst dann, wenn der Coin nicht mehr als Objekt individualisierbar ist.

Das aber bedeutet, dass bei dem Verkauf eines Coins aus einer bestimmten Wallet der Coin individualisierbar ist bis auf die Ebene dieser Wallets. Es steht also auch ohne Anwendung der Fifa-Methode fest, dass nicht etwa Coins aus anderen Wallets verkauft werden. Solange das feststeht, gibt es keinen Grund, die Fifa-Methode anzuwenden.

Daher folgt aus dem Prinzip der Objektbesteuerung, dass die Fifa-Methode nicht auf den Gesamtbestand, sondern nur auf die jeweilige Wallet anzuwenden ist. Bei dem Verkauf von Wertpapieren aus der Sammelverwahrung verfährt die Finanzverwaltung ähnlich. Auch dort wird die Fifa-Methode bezogen auf jedes einzelne Wertpapierdepot oder Unterdepot eines Bankkunden angewandt und nicht etwa übergreifend auf den gesamten Bestand eines Kunden bei einer Bank.

Diese walletbezogene Anwendung der Fifa-Methode eröffnet dem Nutzer die Möglichkeit, den Verkauf von Coins steueroptimiert vorzunehmen.

Beispielhafte Steueroptimierung anhand von Fifo

In einer Wallet eines Nutzers sind am 01.08.02 bei einem aktuellen Tageskurs von 8.000 US-Dollar folgende Coins verbucht:

Strategie: Gewinne realisieren

  • Verkauft der Nutzer am 01.08.021 BTC, so wird nach der Fifo-Methode der BTC bewegt, den der Inhaber als erstes angeschafft hat.

  • Das wäre hier der BTC mit dem Anschaffungsdatum am 20.09.01 (Trade Nr. 1).

  • Es entstünde ein steuerpflichtiger Gewinn in Höhe von 6.000 US-Dollar.

Strategie: Verluste realisieren

  • Beabsichtigt der Nutzer jedoch, einen Verlust zu realisieren, muss er den am 01.02.02 angeschafften Coin verkaufen.

  • Dies kann er nur realisieren, nachdem die Coins aus Trade Nr. 1 und Trade Nr. 2 zuvor auf eine andere Wallet übertragen worden sind.

  • Erst dann ist der Coin aus Trade Nr. 3 in dieser Wallet der Coin, der als erstes angeschafft wurde.

  • Durch die vorherige Überweisung der Coins aus Trade Nr. 1 und 2 kann so also der Coin Nr. 3 auf eine Börse übertragen und dort verkauft werden, so dass der Veräußerungsverlust innerhalb der Haltefrist steuerwirksam realisiert werden kann.

Auch in Bezug auf den zunächst auf eine andere Wallet übertragenen Coin aus Trade Nr. 1 ist das Manöver von Vorteil, da er bei einem Verkauf einen hohen steuerpflichtigen Gewinn auslösen würde. Bewegt man nach der Fifo-Methode diesen Coin zuerst auf eine andere Wallet, kann man später angeschaffte Coins verkaufen.

Dadurch kann man den früher angeschafften Coin aus Trade Nr. 1 ggf. erst nach Ablauf der Haltefrist mit entsprechend hohen Gewinnen steuerfrei verkaufen.

Wallet übergreifende Fifa-Methode

Im Einzelfall kann es aber auch günstiger sein, statt der walletspezifischen die wallet-bzw. vermögensübergreifende Fifa-Methode anzuwenden. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn man zahlreiche Tokens seit mehr als einem Jahr auf einer Hardwarewallet hält. Kauft man dieselbe Tokenart nun zum Beispiel im Januar auf einer Börse und veräußert den Bestand im Dezember wieder, ist dieser Vorgang grundsätzlich steuerbar. Bei der walletübergreifenden Methode gelten jedoch die Tokens auf der Hardwarewallet als zuerst veräußert und sind wegen Überschreitung der Haltefrist steuerfrei.

Diese Methode kann also im Einzelfall zu erheblichen Steuerersparnissen führen. Welche Methode für den einzelnen Kryptoinvestor günstiger ist, kann mit Hilfe eines guten Steuertools mit nur wenigen Klicks selbst ermittelt werden. Da die walletübergreifende Methode nicht überall anerkannt ist, ist es empfehlenswert, sich vor Anwendung der Methode an einen spezialisierten Steuerberater zu wenden.

Geht es auch einfacher?

Die Dinge sind selten so kompliziert, wie sie sich auf den ersten Blick lesen. Wer allerdings von Anfang an Ordnung hält und gutes Token-/Coinmanagement betreibt, erspart sich selbst und auch dem Finanzamt einiges an Fragen und Arbeit. Eine große Hilfe hierfür ist ein geeignetes Tool, das bei der Erstellung der Reports, dem Tracking der Funds und bei der Optimierung der Kryptosteuer unterstützt und mit dem man dem Finanzamt all das an die Hand gibt, was es für die zügige Bearbeitung der Steuererklärung benötigt (Steuerreport, Begleitschreiben). ACCOINTING.com ist ein solches Tool.