Kapitel 2

Was wird für das Finanzamt benötigt?

Wie bereits im ersten Teil des Krypto-Steuer-Guides beschrieben, können Gewinne aus dem Handel mit Kryptowährungen steuerpflichtig sein. Dies hängt hauptsächlich von der Haltedauer der Coins ab. Im Handel mit regulären Coins ist ein Verkauf steuerfrei, wenn der verkaufte Coin länger als ein Jahr gehalten wurde. Wurde mit den Coins Staking betrieben, ist der Verkauf dieser Coins wohl erst nach mehr als zehn Jahren Haltedauer steuerfrei. Details hierzu sind allerdings noch nicht geklärt. Auf Seite 19 erläutern wir außerdem, wie der Investor seine erlittenen Kryptoverluste steuerlich nutzen kann.

In diesem Teil wollen wir uns damit beschäftigen, wie Kryptoinvestoren ihre Tätigkeiten gegenüber dem Finanzamt erklären sollten.

Steuerreport zur Einkünfteermittlung und Vermeidung von Rückfragen

Es liegt auf der Hand, dass der Sachbearbeiter im Finanzamt mit den ausgefüllten Steuerformularen nicht viel anfangen kann, wenn der Steuerpflichtige die darin eingetragenen Zahlen nicht näher erläutert. Von gewöhnlichen Steuerprogrammen kennen wir das: Die Programme liefern Berechnungsschritte und Anlagen mit, die sowohl dem Steuerpflichtigen, aber vor allem auch dem Finanzamt erklären, wie genau der Steuerpflichtige auf das, was er in die Steuererklärung eingetragen hat, gekommen ist. Sie helfen dem Finanzamt, den Steuerfall möglichst zügig zu bearbeiten und vermeiden Rückfragen beim Steuerpflichtigen.

Bei Kryptoinvestments ist es nicht anders: Ein auf die deutsche Rechtslage zugeschnittener Steuerreport, der sämtliche Transaktionen aufführt und anschließend die Einkünfte aus den Kryptoinvestments ermittelt, hilft Investoren, ihre Steuererklärung korrekt auszufüllen, und dem Finanzamt, die Einkünfteermittlung nachzuvollziehen. idealerweise enthält ein solcher Report auch Angaben zur rechtlichen Würdigung der Kryptoaktivitäten. Bei kleineren Steuerfällen und solchen, die kaum Besonderheiten aufweisen, reicht ein solcher Report häufig schon aus, um das Finanzamt mit einer ausreichenden Beschreibung der Sach- und Rechtslage zu versorgen und eine reibungslose Bearbeitung der Steuererklärung zu gewährleisten.

Werbungskosten nicht übersehen

Auch im Hinblick auf die Berücksichtigung von Werbungskosten, die mit dem Handel zusammenhängen (v.a. Transaktionskosten), kann ein sorgfältig erstellter Steuerreport gute Dienste leisten.

Solche Werbungskosten können bei den steuerpflichtigen Veräußerungsgeschäften nämlich abgezogen werden, soweit sie auf diese Geschäfte entfallen, z.B. weil sie unmittelbar beim Kauf und beim Verkauf von Bitcoin & Co angefallen sind. Aber auch Kosten, die zum Beispiel bei Übertragungen von Coins von einer Bitcoinbörse auf eine Wallet oder von Wallet zu Wallet anfallen und damit nicht im direkten Zusammenhang mit einem Kauf oder Verkauf stehen, sollten nicht übersehen werden, auch wenn in dem Zeitpunkt, in dem die Kosten anfallen, noch nicht klar ist, ob sie mit einem steuerpflichtigen oder einem steuerfreien Verkauf in Zusammenhang stehen werden. Denn die übertragenen Coins werden erst später verkauft und erst dann entscheidet sich, ob der Verkauf steuerpflichtig ist oder nicht.

Ein guter Steuerreport fasst sämtliche möglichen Einkunftsgruppen zusammen. Auch die nicht direkt zuzuordnenden Kosten können dann anteilig auf diese Gruppen verteilt werden.

Wie ein solcher Steuerreport genau aussehen kann, zeigt der nachfolgend abgedruckte Beispiel-Steuerreport von ACCOINTING.com. Neben den oben angesprochenen Funktionen weist der Report auch die einzelnen Arten von Kryptoinvestments (Airdrops, Mining, Hard Fork) gesondert aus und liefert wertvolle Hilfestellungen zur korrekten Besteuerung dieser Vorgänge. So nützt er letztlich nicht nur dem Steuerpflichtigen, sondern weist auch dem Finanzamt die richtige Richtung für die spätere Veranlagung. In Kooperation mit der Kanzlei WINHELLER wird der Steuerreport fortlaufend aktualisiert und mit neuen Features versehen.

Zum oben abgedruckten Steuerreport im Einzelnen:

Steuerpflichtige Veräußerungen von Kryptowährungen

In der Standardeinstellung finden sich in diesem Bereich alle steuerpflichtigen Verkäufe von Kryptowährungen gegen Fiat (Euro, Dollar etc.) und gegen andere Kryptowährungen wieder. Entscheidet der Nutzer sich nicht für die Standardeinstellung, sondern für den individuellen Steuerreport, werden hier außerdem auch Verkäufe von Kryptowährungen abgebildet, die nicht aus Käufen stammen.

Steuerfreie Veräußerungen von Kryptowährungen

Verkäufe von Kryptowährungen, die nicht aus Käufen, sondern aus anderen Vorgängen stammen, werden in der Standardeinstellung als nicht steuerpflichtig bewertet. Das betrifft Kryptowährungen, die aus Hard forks, Bountys und Airdrops stammen, durch Mining, Staking, Masternodes und Lending zugeflossen sind oder Spielgewinne bzw. Gewinne aus Margin Trading darstellen. In allen diesen Fällen gab es keinen entgeltlichen Erwerb von einem Dritten. Damit sind die Kryptowährungen nicht angeschaft im Sinne des Gesetzes und ohne Anschaffung ist die spätere Veräußerung nicht steuerbar.

Warum erscheinen Kryptowährungen, die aus diesen Vorgängen stammen, dennoch im individuellen Steuerreport? Das ist zum einen notwendig, um gegenüber dem Finanzamt nachweisen zu können, dass die Coins nicht angeschafft wurden. Zum anderen können teilweise Transaktionsgebühren (und eventuell weitere Kosten) im Zusammenhang mit dem Verkauf angefallen sein. Sie sind zwar steuerlich nicht relevant, damit der Bestand zum Jahresende stimmt, müssen sie trotzdem berücksichtigt werden.

Steuerpflichtige Zuflüsse von Kryptowährungen

Kryptowährungen, die als Gegenleistung aus dem Staking, Mining, Masternodes oder Bounties vereinnahmt wurden, sind hier standardmäßig erfasst. Darüber hinaus finden sich an dieser Stelle im individuellen Steuerreport auch andere Zuflüsse von Kryptowährungen wieder.

Steuerfreie Zuflüsse von Kryptowährungen

Weiter enthält der Steuerreport Zuflüsse von Kryptowährungen, die steuerfrei sind. Dazu gehören auf jeden Fall alle Coins, die aus Hard forks und Airdrops stammen. Da ein Investor generell keine Leistung erbringt, um diese Kryptowährungen zu erhalten, ist ihr Zugang steuerlich nicht relevant. Er ähnelt einem Lottogewinn. Auch hier gilt, dass steuerfreie Zuflüsse trotzdem im Steuerreport erfasst werden, um gegenüber dem Finanzamt nachweisen zu können, woher die Coins stammen.

Kapitalerträge aus Margin Trading

Schließlich werden in dieser Kategorie alle Gewinne und Verluste aus Margin Trading abgebildet, also solche An- und Verkäufe die „auf Marge", das heißt mit einem Hebel durchgeführt wurden. Margingewinne, -verluste und -gebühren werden in dieser Übersicht aufsummiert dargestellt, weil sie nicht dem persönlichen Einkommensteuersatz unterliegen. Sie werden pauschal mit einem Steuersatz von 25 Prozent der Kapitalertragsteuer unterworfen.

Berücksichtigung von Kosten

Kosten, die im Zusammenhang mit Transaktionen von Kryptowährungen stehen, sind in der Regel steuerlich relevant und können als Werbungskosten abgezogen werden. Automatisch erfassen wir aber nur die Kosten, die im Zusammenhang mit einem An- oder Verkauf stehen. Für alle anderen Kosten (Zu- und Abflüsse von Kryptowährungen) empfehlen wir, dass sie in der Steuererklärung berücksichtigt werden. Alternativ ist es möglich, diese Kosten von Hand aufzuteilen und bei allen Transaktionen in dieser Kategorie anteilig abzuziehen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten, die wir an einem Beispiel erläutern:

Beispiel: Ein Steuerpflichtiger, der Einkünfte in allen Kategorien hat, hat Transaktionskosten von 1.000 Euro im Jahr getragen, die keinen Käufen oder Verkäufen direkt zugeordnet werden können. Diese Kosten sind vielmehr dadurch entstanden, dass er Coins von Börsen auf verschiedene Wallets sowie innerhalb seiner Wallets übertragen hat. Nach der hier vorgeschlagenen Methode wären diese 1.000 Euro nun im Verhältnis der Erträge der einzelnen Gruppen zueinander aufzuteilen.

Pauschale Zuordnung von Kosten

Beträgt der Anteil der Gewinne aus steuerpflichtigen Veräußerungen am Gesamtgewinn aller Kategorien 40 Prozent, so wären dem Gewinn aus steuerpflichtigen Veräußerungen aus den 1.000 Euro dann 40 Prozent, also 400 Euro als abzugsfähige Werbungskosten zuzuordnen.

Erzielt derselbe Steuerpflichtige weitere 20 Prozent Gewinne aus steuerfreien Veräußerungen, dann sind weitere 200 Euro dieser Kategorie zuzuordnen. Dort wirken sie sich allerdings nicht aus, da diese Gewinne steuerfrei sind.

Erzielt der Nutzer in einer Kategorie Verluste, in anderen Kategorien aber Gewinne, sind die Kosten zunächst in dem Verhältnis der Gesamtgewinne zu den Gesamtverlusten aufzuteilen. Die so aufgeteilten Kosten sind dann wiederum innerhalb der Kategorien, in denen Gewinne angefallen sind, nach deren Verhältnis zueinander aufzuteilen. Bei den Kategorien, in denen Verluste erzielt wurden, ist entsprechend zu verfahren.

Direkte Zuordnung von Kosten

Etwas aufwendiger, aber viel genauer ist es, wenn der Nutzer in einzelnen Kategorien erst gar keine Kosten anfallen lässt, die er nicht direkt zuordnen kann. Das erreicht man durch eine gute Walletstruktur und sinnvolles Tokenmanagement. Beispielsweise kann man Coins aus Airdrops stets separat in bestimmten Wallets halten und so alle dadurch anfallenden Kosten hier direkt zuzuordnen. Denn wenn der Nutzer eine Vermischung der Coins, die er aus Airdrops erhalten hat, mit anderen Coins dieser Währung, die er selbst gekauft hat, vermeidet, kann er die Kosten, die im Zusammenhang mit den Airdrops stehen, stets direkt zuordnen.

Wer seine Investments entsprechend gestalten möchte, sollte etwas Zeit in die Planungen stecken und sich hierzu ggf. an einen spezialisierten Steuerberater wenden. Neben einer sorgfältigen Planung setzen solche Gestaltungen aber vor allem auch immer voraus, dass der Investor penibel darauf achtet, künftig stets innerhalb seiner einmal vorgegebenen Struktur zu handeln.

Zusammenfassung

Der Steuerreport gibt einen schnellen Überblick über die steuerpflichtigen und steuerfreien Gewinne und Verluste. Zusätzlich werden die direkt zugeordneten und die anteilig zugewiesenen Kosten ausgewiesen und vom Gewinn abgezogen.

  • Die Gesamtsumme der steuerpflichtigen Veräußerungen und des steuerpflichtigen Zuflusses von Kryptowährungen ergibt den Betrag, auf den in diesem Jahr der persönliche Einkommensteuersatz anfällt.

  • Die Gewinne aus Margin Trading unterliegen der Kapitalertragsteuer mit einem pauschalen Steuersatz von 25 Prozent.

  • Die übrigen Kategorien zeigen die steuerfreien Einkünfte und die diesen zugeordneten Werbungskosten. Auf diese Weise wird für das Finanzamt auch transparent, wie die Kosten, die nicht einem Kauf oder Verkauf direkt zugeordnet werden konnten, anteilig auf die Gruppen aufgeteilt wurden.

Begleitschreiben zur Erläuterung der steuerrechtlichen Würdigung

Zwar sagen Zahlen mehr als 1.000 Worte. Dennoch genügt ein Steuerreport allein nicht immer. In komplexen Fällen, also vor allem bei Aktivitäten, die über den reinen Kauf und Verkauf von Coins hinausgehen (z.B. in Fällen von Mining, Staking, Lending, Airdrops, des Verlusts von Coins durch Hacks und untergegangene Börsen, Hard Forks, Soft Forks, die treuhänderischen Verwahrung und Verwaltung von Kryptowährungen für Freunde oder Familie, der Vermengung von Kryptowährungen auf einer Wallet, des automatisierten algorithmischen Handels mit zigtausenden von Trades, der Abgrenzung zwischen gewerblichem Trading und privater Vermögensverwaltung) kommt ein Sachbearbeiter im Finanzamt schnell an seine Grenzen. Kryptoinvestoren sollten bedenken: Nur wenige Sachbearbeiter im Finanzamt sind Experten für Kryptovorgänge und haben auch die Zeit, sich mit sämtlichen technischen und steuerrechtlichen Details in Bezug auf Kryptoinvestments in allen ihren Verästelungen zu beschäftigen.

Um zahllose Rückfragen, eine verzögerte Bearbeitung und nicht zuletzt auch um steuerstrafrechtliche Risiken zu vermeiden, ist es daher unabdingbar, dass Kryptoinvestoren ihrem Finanzamt in Form eines ausführlichen, auf ihre persönliche Situation zugeschnittenen Begleitschreibens erläutern, welche Kryptoaktivitäten sie vorgenommen haben und wie sie diese Sachverhalte steuerlich würdigen. Ein Begleitschreiben, das die Steuererklärung und den Steuerreport von Anfang an ideal ergänzt, spart viel Zeit und schont die Nerven-sowohl die eigenen als auch die des Finanzbeamten.

Im Anschreiben sollten Kryptoinvestoren auf ihre individuelle Situation und die konkreten Transaktionen eingehen, ihre steuerlichen Schlussfolgerungen ziehen und möglichst auf die aktuelle Rechtsprechung und Fundstellen zu steuerwissenschaftlichen Publikationen verweisen, die die eigenen Schlussfolgerungen stützen. Mit anderen Worten: Kryptoinvestoren sollten ihrem Sachbearbeiter helfen, die Steuererklärung möglichst schnell zu bearbeiten und den Steuerbescheid erlassen zu können. Mit einem Höchstmaß an Transparenz wappnen sich Kryptoinvestoren außerdem vor einem möglichen Vorwurf der Steuerhinterziehung. Werden Einkünfte erklärt, ohne diese umfassend zu erläutern, schwingt nämlich ansonsten stets das Risiko mit, dass das Finanzamt in irgendeinem Punkt eine andere Rechtsauffassung vertritt als man selbst und dem Kryptoinvestor sodann ein Steuerdelikt unterstellt.