Kapitel 1

Wann und wie muss ich Steuern auf Kryptogewinne zahlen?

Muss ich als privater Investor auf meine Bitcoin- und Kryptoinvestments in Deutschland Steuern zahlen?

Wer als Privatperson in Kryptowährungen, wie z.B. Bitcoin (BTC) oder Ethereum (ETH), investiert, kann damit eine Steuerpflicht auslösen. Es gelten nämlich die allgemeinen Regelungen: Danach ist in Deutschland jeder steuerpflichtig, der in Deutschland einen Wohnsitz oder einen gewöhnlichen Aufenthaltsort hat. Die Steuerpflicht tritt dabei ein, wenn nur eines der beiden Merkmale vorliegt. Sie erfasst natürlich auch Gewinne aus Kryptoinvestments.

Daher ist jeder, der in Deutschland einen Wohnsitz hat, grundsätzlich steuerpflichtig, auch wenn er sich gewöhnlich im Ausland aufhält. Umgekehrt gilt, dass auch bei einem Wohnsitz im Ausland eine Steuerpflicht in Deutschland besteht, wenn der Investor hier seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat, d.h. sich regelmäßig mehr als 180 Tage im Land befindet. In welchem Land die Kryptos als Datensätze z.B. auf einer Börse liegen, ist in diesem Zusammenhang also irrelevant.

Bin ich ein privater oder ein gewerblicher Kryptoinvestor?

Investitionen in Bitcoin (BTC) und andere Kryptos sind in der Regel private Investitionen. Auch eine sehr hohe Zahl an Trades und hohe lnvestitionsvolumina machen aus diesen Investitionen grundsätzlich noch keine gewerbliche Tätigkeit. Die steuerliche Messlatte für gewerbliche Einkünfte aus Kryptoinvestitionen liegt hoch. Vorausgesetzt wird u.a., dass Investitionen auch für andere oder auf fremde Rechnung getätigt werden und dies in der Öffentlichkeit entsprechend angeboten wird. Gewerbliche Tätigkeiten sind steuerlich gänzlich anders zu behandeln als private Investments. Zum Beispiel kann dann Gewerbesteuer anfallen. Selbst umsatzsteuerliche Folgen können ausgelöst werden, so z.B. beim Staking. Auch aufsichtsrechtlich können die Konsequenzen enorm sein: Ein Marktauftritt als gewerblicher Händler für

Dritte ist nämlich in der Regel genehmigungspflichtig nach dem Kreditwesengesetz (KWG). Der Steuerpflichtige braucht in diesem Fall also eine Lizenz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Andererseits gibt es keinen Gleichlauf zwischen Aufsichtsrecht und Steuerrecht, d.h. eine aufsichtsrechtliche Genehmigungspflicht bedeutet nicht zwingend, dass auch in steuerlicher Hinsicht gewerbliche Einkünfte vorliegen.

Wie berechne ich meinen steuerlich relevanten Gewinn/Verlust aus Investitionen in Bitcoin & Co?

Die meisten Investoren agieren privat, d.h. im eigenen Namen und auf eigene Rechnung. Daher betrachten wir bei den folgenden Berechnungen und Grundsätzen ausschließlich private Investitionen.

Gewinne aus privaten Investitionen in Bitcoin & Co unterliegen der persönlichen Steuerpflicht des Investors im Rahmen seiner Einkommensbesteuerung. Sie werden steuerlich aber nur berücksichtigt, wenn es sich um kurzfristige Investitionen handelt. Man spricht dann steuerlich von einem sogenannten steuerpflichtigen „privaten Veräußerungsgeschäft" nach§ 23 Einkommensteuergesetz (EStG). liegen zwischen Kauf und Verkauf eines Coins mehr als ein Jahr, sind Gewinne oder Verluste nicht steuerlich relevant und somit nicht steuerpflichtig,

Veräußerungspreis

Der Veräußerungspreis ist dabei der Gegenwert, den der Investor in Euro für den Verkauf des Coins erhält. Erhält er keine Euro, sondern eine andere Kryptowährung, weil er z.B. ETH gegen BTC tauscht, dann ist der Veräußerungspreis der Gegenwert der weggegebenen ETH in Euro. Damit ist also auch jeder Tausch zwischen Kryptowährungen (und nicht nur der Tausch von Kryptos in Euro) eine Veräußerung, die steuerpflichtig sein kann.

Werbungskosten

Werbungskosten sind Aufwendungen, die unmittelbar mit dem Verkauf von Bitcoin & Co in Zusammenhang stehen, also namentlich Transaktionsgebühren.

Bei sonstigen Werbungskosten handelt es sich um Aufwendungen, die in einem wirtschaftlichen Zusammenhang zu den Gewinnen aus dem Kryptohandel stehen, z.B. Transaktionskosten, die während der Verwaltung der Coins anfallen, etwa dann, wenn die später veräußerten Coins von einer Wallet auf eine andere Wallet übertragen werden. Welche Wallets dabei empfehlenswert und sicher sind, haben wir in unserem Bitcoin-Walletguide beschrieben. Auch Kosten für die Steuersoftware oder den Steuerberater, der Kryptoinvestoren bei der Ermittlung ihrer Einkünfte hilft, fallen unter sonstige Werbungskosten. Diese Aufwendungen können grundsätzlich abgezogen werden und mindern den Veräußerungsgewinn.

Jedoch gilt dies eben nur für die Aufwendungen, die mit steuerpflichtigen Verkäufen im Zusammenhang stehen. Zum Zeitpunkt, in dem diese Kosten anfallen, steht aber noch nicht fest, ob die übertragenen Coins später einmal steuerpflichtig oder steuerfrei verkauft werden. Nur ein Teil der Aufwendungen steht daher in der Regel mit steuerpflichtigen Verkäufen im Zusammenhang. Die Kosten sollten daher verhältnismäßig aufgeteilt werden. In dem Verhältnis, in dem beim Investor steuerpflichtige zu steuerfreien Gewinnen stehen, können auch diese Werbungskosten anteilig abgezogen werden.

Wichtig ist noch der Zeitpunkt, zu dem die Kosten geltend gemacht werden können. Sie sind stets in dem Jahr abzuziehen, in dem die Veräußerung vorgenommen wird. Fallen beispielsweise im Jahr 03 Steuerberatungskosten für einen steuerpflichtigen Verkauf von Kryptos an, der im Jahr 01 stattgefunden hat, sind diese Kosten im Jahr 01 anzusetzen. Das geht naturgemäß nicht mehr, wenn das Jahr 01 bereits „geschlossen" ist. Es ist daher darauf zu achten, das Steuerjahr 01 auf jeden Fall noch „offen" zu halten, ggf. mit einem Einspruch. Kryptoinvestoren sollten sich bei Fragen hierzu ggf. an einen spezialisierten Anwalt oder Steuerberater wenden.

Anschaffungskosten

Als Letztes sind von dem Veräußerungspreis noch die Anschaffungskosten abzuziehen, um den Veräußerungsgewinn zu ermitteln. Anschaffungskosten sind dabei alle Aufwendungen, die für den Kauf der Coins getätigt wurden. Das sind neben dem Preis der gekauften Coins auch die Nebenkosten des Kaufs, also wiederum die Transaktionskosten. Sie bilden gemeinsam die Anschaffungskosten und sind vom Veräußerungspreis abzuziehen. Der verbleibende Wert ergibt den Veräußerungsgewinn oder -verlust.

Haltefristen entscheiden über Steuerlast

Ob ein bestimmter Trade mit Coins steuerpflichtig oder steuerfrei ist, hängt von dem Zeitraum ab, in dem der Investor diesen konkreten Coin gehalten hat. Steuerpflichtig ist ein Veräußerungsgewinn nur dann, wenn zwischen Ankauf und Verkauf dieses Coins nicht mehr als ein Jahr liegt. Maßgeblich sind dabei die jeweiligen Zeitpunkte, ab denen ein Investor über ein Coin verfügen kann bzw. - beim Verkauf - nicht mehr verfügen kann.

Genaue Haltefristen beachten: Da die Steuerfreiheit einen Zeitraum von mehr als einem Jahr verlangt, gilt: Bei einem Ankauf am 01.03.01 ist ein Verkauf steuerpflichtig, der bis zum 01.03.02 (einschließlich dieses Tages) getätigt wird. Ein Verkauf am 02.03.02 oder später ist hingegen steuerfrei. Ein Tag mehr oder weniger kann also über die Steuerfreiheit oder -pflicht entscheiden.

Gilt beim „Staking" eine Haltefrist von zehn Jahren?

Unklar ist nach wie vor, ob das sogenannte Staking die Haltefrist auf zehn Jahre verlängert. Nach dem Gesetz verlängert sich die Frist von einem Jahr auf zehn Jahre, wenn aus der „Nutzung [der Coins] als Einkunftsquelle" wiederum Einkünfte erzielt werden. Beim Staking stellt der Inhaber seine Coins für einen bestimmten Zeitraum einem Dritten zur Verfügung. Damit erhöht er seine Wahrscheinlichkeit, im Proof-of-Stake-Verfahren einen neuen Block auf der Blockchain und somit neue Coins generieren zu können.

Was spricht für eine verlängerte Haltefrist?

Die Coins werden in einer Wallet des Inhabers für das Staking festgelegt und gesperrt. In der Terminologie der klassischen Wirtschaft ist dies mit einer Festgeldanlage oder einer Vermietung vergleichbar. Der Inhaber erzielt damit in jedem Fall eine Vergütung aus dem Staking, nämlich neue Coins.

Die Vergütung ist nicht davon abhängig, dass dem Dritten, zu dessen Gunsten die Coins gesperrt wurden, neue Coins aus einem neuen Block zufließen. Es handelt sich daher um eine fest vereinbarte Vergütung, ähnlich einem Zins oder einem Mietentgelt.

Vom Wortlaut des Gesetzes her werden damit die Coins beim Staking als Einkunftsquelle genutzt. Dadurch verlängert sich die Haltefrist auf zehn Jahre. Für diese Sichtweise spricht, dass die gesetzliche Regelung ausdrücklich für Fälle geschaffen wurde, in denen Sachen, nämlich Container, vermietet wurden.

Was spricht gegen eine verlängerte Haltefrist?

Andererseits hat sich zumindest die bayerische Finanzverwaltung dagegen ausgesprochen, verzinsliche Fremdwährungsguthaben unter die Regelung zu fassen. Bei diesen verlängert sich die Haltefrist daher nicht. Ob aber Kryptowährungen mit Fremdwährungsguthaben vergleichbar sind, ist unklar. Sie sind eben nicht anerkannte Zahlungsmittel und somit auch nicht Fremdwährung.

Wie sollte sich der individuelle Investor verhalten?

Angesichts dieser unklaren Rechtslage bleibt dem Steuerpflichtigen nur, im Einzelfall eine individuelle Entscheidung zu treffen und sie gegenüber dem Finanzamt zu vertreten. Vor allem Letzteres ist wichtig: Der Steuerpflichtige muss seine steuerliche Würdigung dem Finanzamt gegenüber offenlegen, wenn er sich nicht den Vorwurf einer Steuerhinterziehung gefallen lassen will. In Form eines Begleitschreibens hat der Investor dem Finanzamt daher seinen Fall und seine Würdigung darzulegen. Alternativ sollte sich der Investor von einem spezialisierten Steuerberater oder Anwalt beraten lassen, der dann gegenüber dem Finanzamt die für den Investor beste Lösung vertreten wird.

Ab welchem Gewinn sind Steuern zu bezahlen?

Die so ermittelten Gewinne bleiben insgesamt steuerfrei, wenn sie in einem Kalenderjahr weniger als 600 Euro betragen. Diese Freigrenze betrifft aber alle privaten Veräußerungsgeschäfte, nicht nur die Gewinne aus dem Handel mit Kryptowährungen. Erfasst sind daher z.B. auch Grundstücksgeschäfte nach§ 23 Abs. 1 Nr. 1 EStG und Leerverkäufe nach § 23 Abs. 1 Nr. 3 EStG. Nur wenn alle Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften die Freigrenze nicht übersteigen, bleiben die Gewinne steuerfrei.

Ist die Besteuerung von Kryptogewinnen überhaupt zulässig?

Investments in Kryptos sind noch relativ neu. Und nicht jeder gibt seine Gewinne auch tatsächlich beim Finanzamt an, das im Übrigen nur wenige Möglichkeiten hat, Investoren, die ihre Kryptogewinne nicht erklärt haben, auf die Schliche zu kommen. Zahlt daher am Ende etwa nur der dumme Ehrliche Steuern? Und wer will schon zu den Dummen gehören?

Tatsächlich gibt es Stimmen in der Literatur, die die Besteuerung von Kryptoinvestments wegen dieses sogenannten Durchsetzungsdefizits (der Staat ist offenbar nicht in der Lage, für eine einheitliche und gleichmäßige Besteuerung zu sorgen) für verfassungswidrig halten. Auch in der Finanzrechtsprechung sind diese Bedenken angekommen. So hat zum Beispiel das Finanzgericht Nürnberg die Beitreibung einer Steuerschuld aus Kryptoinvestments ausgesetzt, da es von der Verfassungsmäßigkeit der Besteuerung nicht komplett überzeugt war. Andere Gerichte wiederum haben die Besteuerung als zulässig eingestuft. Da der Sachverhalt eben neu ist, wird es hier auch in Zukunft unterschiedliche Beurteilungen geben, bis letztlich ein oberstes Bundesgericht eine Entscheidung für die eine oder andere Ansicht fällt.

Kryptoinvestoren sollten also in ihrer Steuererklärung, idealerweise im Anschreiben an das Finanzamt, auf die mögliche Verfassungswidrigkeit hinweisen und eine Steuerfestsetzung von null Euro beantragen. Darüber hinaus kann die Aussetzung der Vollziehung verlangt werden, so dass Investoren erst einmal keine Steuern zahlen müssen bis die Angelegenheit höchstrichterlich geklärt ist. Zumindest sollten Kryptoinvestoren ihren Steuerfall durch einen Einspruch gegen den Steuerbescheid „offen" halten, wenn das Finanzamt trotz des Hinweises auf die Verfassungsbedenken Steuern festgesetzt hat.

Im Zweifel kann hier ein spezialisierter Steuerberater oder Rechtsanwalt weiterhelfen. Auch das Steuertool von ACCOINTING bietet übrigens in einem standardisierten Verfahren entsprechende Hilfestellungen zum Selbermachen an.