Kapitel 5

Besteuerung privater lnvestorengemeinschaften

"Kannst du für mich mitinvestieren?"

In der Praxis werden Investitionen in Kryptowährungen oft gemeinschaftlich unternommen. Bei den einzelnen Börsen muss sich jeweils eine natürliche Person als Inhaber eines Accounts registrieren. Daher verwirklicht immer nur diese die An- und Verkaufsgeschäfte.

Das dort investierte Geld, die dort getätigten Handels- und Tauschgeschäfte stammen aber oft von mehreren Investoren, die Geschäfte gemeinschaftlich über den Account eines der Investoren abwickeln.

Zu welcher lnvestorengemeinschaft gehöre ich?

lnvestorengemeinschaften können rechtlich unterschiedlich organisiert sein. Da es in aller Regel an klaren schriftlichen Vereinbarungen zwischen den Beteiligten fehlt, ist im Wege der Auslegung zu bestimmen, welcher Art das gemeinsame Investment ist. Meist handelt es sich dabei um eine der folgenden drei Gestaltungen:

Gesellschaft

Wenn alle Investoren gemeinsam „Geld in einen Topf werfen" und Anlagestrategien gemeinsam entscheiden, wird rechtlich gesehen in aller Regel eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) vorliegen.

Gemeinschaft

Trifft nur einer die Investitionsentscheidungen, während die übrigen Investoren ihre Rolle darauf beschränken, Geld in ein gemeinsames Depot einzuzahlen, wird in den meisten Fällen eine sogenannte Gemeinschaft vorliegen.

Treuhandvertrag

Es kann sich aber auch um Treuhandverträge handeln, die der Inhaber des Accounts, der die Investitionen tätigt, mit jedem Beteiligten einzeln - meist nur mündlich - abschließt. In diesem Fall liegt kein gemeinsames Depot aller Beteiligten vor. Der Investor partizipiert dann aber nicht an der Entwicklung des gesamten Portfolios, wie es bei der Gemeinschaft und der Gesellschaft der Fall ist. Ein Treugeber partizipiert vielmehr individuell nur an der Entwicklung der Kryptowährungen, die der Treuhänder, also der Inhaber des Accounts, für ihn persönlich kauft und verkauft.

Allen diesen Zusammenschlüssen ist gemein, dass die Investoren jeweils das Risiko eingehen, ihr investiertes Geld zu verlieren. Natürlich können die Beteiligten das anders vereinbaren, in der Regel wird jedoch der Inhaber eines Accounts von Dritten Geld annehmen und es wie sein eigenes investieren. Er wird aber nicht für den Bestand der Investition haften wollen. Der Investor hat daher meist keinen Anspruch darauf, mindestens den investierten Betrag zurück zu erhalten.

Wie sieht eine solche Klassifizierung in der Realität aus?

Zum besseren Verständnis im Folgenden ein Beispiel, in dem Alex, Bianca, Claire, Dennis und Valerie miteinander investieren. Die jeweiligen Preise sind, genau wie die Personen, zur Vereinfachung frei erfunden.

Alex, Bianca, Claire und Dennis investieren gemeinsam in Kryptowährungen.

  1. Alex ist seit 01.01 auf verschiedenen Börsen registriert und hält mehrere Positionen verschiedener Kryptowährungen für sich, die er mit eigenen Mitteln finanziert hat.

  2. Zum 01.0 3.0 2 zahlt Bianca an Alex einen Betrag von 50.000 Euro. Beide verabreden, künftig gemeinsam in Kryptowährungen zu investieren.

    • Sie stimmen sich bei Käufen und Verkäufen ab und verwalten das gesamte Portfolio, das nun einen Gesamtwert von 100.000 Euro hat, gemeinsam.

    • Nach und nach wird dabei das von Bianca eingezahlte Geld ebenfalls in Kryptowährungen investiert.

    • An den erzielten Gewinnen und Verlusten wollen Alex und Bianca ab dem 01.03.02 jeweils zur Hälfte beteiligt sein.

  3. Weil die Geschäfte so gut laufen, gibt Claire am 01.06.02 Alex und Bianca weitere 20.000 Euro.

    • Die drei verabreden, dass Alex und Bianca gemeinsam das Geld als Teil ihres Portfolios anlegen.

    • Claire soll dafür anteilig an den Gewinnen und Verlusten des Gesamtportfolios beteiligt sein.

    • Ihre Beteiligungsquote errechnet sich aus dem Verhältnis der eingezahlten 20.000 Euro zum Gesamtwert des Portfolios am 01.06 .0 2, einschließlich der eingezahlten 20.000 Euro.

  4. Am 01.10.02 bittet Dennis Alex persönlich darum, für ihn ETH und IOTA zu kaufen.

    • Er überweist ihm dafür 200.000 Euro.

    • Alex und Dennis vereinbaren, dass Alex die Investitionen im Interesse von Dennis, aber nach seinen eigenen Marktkenntnissen und -einschätzungen durchführt.

    • Von den erwirtschafteten Gewinnen erhält Alex eine gestaffelte Provision, je nach Höhe des Gewinns.

    • Dennis ist sich bewusst, dass er sein Vermögen ganz oder teilweise verlieren kann.

    • Alex investiert in die gewünschten Währungen, verwaltet diese Coins aber in separaten Wallets, die er von dem Portfolio trennt, dass er gemeinsam mit Bianca verwaltet.

  5. Schließlich leiht sich Bianca am 01.11.02 weitere 100.000 Euro von Valerie und investiert sie mit Alex in dem gemeinsam verwalteten Portfolio.

Rechtlich sind in dem Beispiel folgende Varianten abgebildet:

Gesellschaft

  1. Im ersten Fall gründen Alex und Bianca am 01.03 .0 2 eine Gesellschaft zur gemeinsamen Investition in Kryptowährungen.

Beide Gesellschafter treffen Investmententscheidungen gemeinsam.

Gemeinschaft

  1. Am 01.0 6.0 2 bildet diese aus Alex und Bianca bestehende Gesellschaft mit Claire eine Gemeinschaft, um gemeinsam in Kryptos zu investieren, da Claire nicht aktiv Einfluss auf die Investmententscheidungen nimmt.

Treuhänderische Verwaltung

  1. Der Vertrag zwischen Alex und Dennis vom 01. 10.0 2 ist davon unabhängig. Es liegt hier eine treuhänderische Verwaltung durch Alex vor, der Vermögen für Dennis verwaltet, da Dennis nicht an den Gewinnen des gesamten Portfolios, sondern nur an dem Gewinn der einzelnen, von ihm gewünschten Transaktionen partizipiert.

Darlehensvertrag

  1. Zwischen Bianca und Valerie wird schließlich am 01.11. 02 ein Darlehensvertrag geschlossen. Valerie hat dabei Anspruch darauf, den Darlehensbetrag von 100.000 Euro in jedem Fall zurück zu erhalten, unabhängig davon, wie die Kurse sich entwickeln.

Welche steuerlichen Konsequenzen hat dieses Konstrukt?

Steuerlich wird das Beispiel wie folgt behandelt:

Grundsätzliche Besteuerung

Alex erzielt zunächst bis Ende Februar 02 allein Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften. Ihm werden alle Coins direkt zugerechnet. Die Frage, ob ein Verkauf steuerpflichtig ist oder nicht, entscheidet sich danach, wann er den Coin erworben hat.

An dieser Zurechnung und auch an den Anschaffungszeitpunkten ändert sich für Alex prinzipiell auch nichts, als am

01.03.02 Bianca einsteigt und gemeinsam mit Alex eine Gesellschaft gründet. Auch der Einstieg von Claire am

01.06.02 ändert nichts an den ursprünglichen Anschaffungszeitpunkten für Alex.

Aber: Die jetzt gemeinsam gehaltenen Coins werden jeweils anteilig direkt den drei Beteiligten zugerechnet, nicht etwa der Gesellschaft oder der Gemeinschaft als solcher.

Wem gehört wann welcher Coin?

Und eben diese direkte Zuordnung an die Beteiligten erweist sich für die beitretenden Bianca und Claire in Bezug auf die Haltefrist als schädlich:

Beitritt von Bianca - die Gesellschaft

Am 01.03.02 begründen Alex und Bianca eine Gesellschaft. An dem dadurch entstehenden Portfolio der Gesellschaft sind Alex und Bianca gemeinsam und je zur Hälfte beteiligt.

Steuerlich werden ihnen alle Coins der Gesellschaft ab dem 01.03.02 anteilig zugerechnet. Das bedeutet, dass durch den Einstieg von Bianca ein Verkauf von Alex an Bianca am 1.03.02 stattgefunden hat. Dabei hat Alex die Hälfte eines jeden Coins, den er bis dahin gehalten hat, an Bianca verkauft.

Für Bianca findet also die Anschaffung der Coins am 01.03.02 statt. Sie kann sich nicht etwa auf den Zeitpunkt berufen, an dem Alex den Coin angeschafft hat. Dieses Ergebnis folgt eben aus der anteiligen Zurechnung der Coins der neuen Gesellschaft zu allen Beteiligten.

Steuerbelastung von Alex in Zahlen
  • Alex kauft am 01.0 5.01 an einer Börse 1,0 BTC zum Kurs von 3.000 Euro.

  • Am 01.03.02 verkauft er durch den Einstieg von Bianca die Hälfte dieses Coins an Bianca.

  • Wenn der Kurs am 01.0 3.0 2 5.000 Euro beträgt, hat Alex 0,5 BTC mit einem Gewinn von 2.000 Euro verkauft.

  • 2.000 Euro x 0,5 BTC = 1.000 Euro steuerpflichtiger Veräußerungserlös für Alex, die Haltefrist von einem Jahr ist vom 01.05.01 bis zum 01.03.02 noch nicht abgelaufen.

Beitritt von Claire - die Gemeinschaft

Dasselbe passiert, wenn am 01.06.02 die Gemeinschaft um Claire erweitert wird. Da danach alle Coins von Alex, Bianca und Claire gemeinsam verwaltet werden und alle drei am Gesamtportfolio beteiligt sind, liegt auch hier eine anteilige Veräußerung von Alex und Bianca an Claire vor:

  • Bianca hat entsprechend 0,5 BTC zum Preis von 2.500 Euro am 01.03.02 angeschafft.

  • Am 01. 06. 02 steigt Claire ein und kauft entsprechend am 01.06.02 einen Anteil an jedem Coin, der sich an diesem Tag im Gesamtportfolio befindet.

  • Hier verkaufen jetzt Alex und Bianca jeweils den Prozentsatz ihrer Coins an Claire, mit dem Claire an dem Gesamtportfolio beteiligt ist.

  • Wenn dies z.B. 10 Prozent wären, dann verkauft Alex 10 Prozent von seinen verbliebenen 0,5 BTC an Claire. Und Bianca verkauft ebenfalls 10 Prozent von ihren 0,5 BTC an Claire.

  • Für Alex wäre dieser Verkauf steuerfrei, da zwischen seiner Anschaffung am 01.05.01 und diesem Verkauf am

01.06.02 die Haltefrist abgelaufen ist.

  • Für Bianca ist dieser Verkauf nicht steuerfrei. Sie ist am 01.03 .0 2 eingestiegen, hat also an diesem Tag 0,5 BTC angeschafft und verkauft daher am 01.06.02 steuerpflichtig davon 10 Prozent an Claire.

Wenn jetzt aus dem Gesamtportfolio 1,0 BTC am 01.0 4.0 3 verkauft wird, ist dieser Verkauf bei Alex bereits steuerfrei. Aber für Claire ist die Haltefrist berechnet von ihrem Anschaffungsdatum am 01.06.02 noch nicht abgelaufen.

Für sie ist der Verkauf daher steuerpflichtig. Sie versteuert den Kursgewinn, den der Coin vom 01.06.02 bis zum

01.04.03 erzielt hat. Für sie ist dieser Kursgewinn insoweit steuerpflichtig, wie sie an dem Gesamtportfolio in diesem Zeitraum beteiligt ist.

Kurz und knapp - Zwischenbilanz

Im Ergebnis hat Alex 1,0 BTC am 01.05.01 gekauft. Obwohl der Coin erst am 01.04.03 verkauft wird, sind zwischenzeitlich Steuern angefallen. Denn Alex hat „Zwischenverkäufe" an Bianca und Claire getätigt, als er Anteile des Coins verkauft hat.

Bianca hat auch einen solchen „Zwischenverkauf" getätigt, nämlich an Claire, als diese in das Gesamtportfolio eingestiegen ist.

Die treuhänderische Verwaltung zwischen Alex und Dennis

Anders ist die Lage bei Dennis, da er nur Alex direkt Geld für konkrete Investitionen gibt und die Coins, die Alex für Dennis kauft vom Gesamtportfolio getrennt verwaltet werden. Daher sind diese Coins nicht Teil des Gesamtportfolios. Sie stehen zwar im Eigentum von Alex, der sie gekauft hat und in seiner Wallet verwaltet. Durch den Treuhandvertrag zwischen Alex und Dennis stehen sie wirtschaftlich aber Dennis zu, der auch das Investitionsrisiko trägt. Ihm werden sie steuerlich zugerechnet. Er hat Käufe und Verkäufe, die Alex für ihn und auf seine Rechnung tätigt, zu versteuern.

Biancas Darlehen von Valerie für ein weiteres Investment

Ein weiterer „Zwischenverkauf" ist auch am 01.11.02 eingetreten. An diesem Tag zahlt Bianca weitere 100.000 Euro in das Portfolio ein. Sie erwirbt dadurch wiederum von Alex und Claire Anteile an jedem Coin, der in dem Portfolio gehalten wird. Für Alex und Claire sind das wiederum anteilige Veräußerungen, die steuerpflichtig sind, sofern die individuellen Haltefristen der Coins im Portfolio noch nicht abgelaufen waren.

Die Höhe des Anteils, den Bianca hier von Alex und Claire erwirbt, bemisst sich wiederum nach dem Verhältnis des eingezahlten Betrages zur Summe des Portfoliowertes plus des eingezahlten Betrages am 01.11.02.

Für Bianca ist der Verkauf von 1,0 BTC am 01.0 4.03 daher nur teilweise steuerfrei, nämlich soweit sie Anteile daran bei ihrem Einstieg am 01.0 3.0 2 erworben hat. Denn am 01.04.03 ist die Haltefrist für diesen anteiligen Erwerb bereits abgelaufen.

Aber auch am 01.11.02 hat Bianca weitere Anteile an dem Coin von Alex und Claire erworben, indem sie weitere

100.000 Euro eingezahlt hat. Insoweit ist beim Verkauf dieses Coins am 01.04.03 die Haltefrist noch nicht abgelaufen und der Verkauf daher auch für Bianca insoweit steuerpflichtig.

Es kommt auf den Zeitpunkt an

Insofern erweisen sich Einstieg und auch Ausstieg von Beteiligten in oder aus einem Gesamtportfolio jeweils als anteilige Veräußerungen aller im Portfolio gehaltener Coins.

Unabhängig davon, dass die betroffenen Coins gar nicht tatsächlich gehandelt werden, gelten sie als anteilig von den bisherigen Beteiligten an den neu hinzukommenden Beteiligten verkauft. Diese anteiligen Verkäufe sind steuerschädlich, soweit bezüglich der einzelnen Coins und der individuellen Anschaffungszeitpunkte eines jeden Beteiligten die Haltefrist noch nicht abgelaufen ist.

Valerie schließlich ist - anders als Dennis-bloße Darlehensgeberin. Sie hat Anspruch darauf, den Darlehensbetrag zurückzuerhalten. Sie investiert daher nicht selbst in Kryptowährungen. Sofern ein Zins vereinbart ist, erzielt sie Einkünfte aus Kapitalvermögen.

Die mit diesem Geld gehandelten Coins und die daraus erzielten Gewinne muss allein Bianca versteuern. Für sie sind aber die gezahlten Zinsen Werbungskosten, die sie bei der Gewinnermittlung abziehen kann, soweit die Zinsen auf steuerpflichtige Veräußerungsgewinne entfallen.

Kurz und knapp

Im Ergebnis ist daher bei gemeinsamen Investitionen in Kryptowährungen vorher genau auf die vertragliche Grundlage zu achten. Die unterschiedliche Besteuerung von Gesellschaften und Gemeinschaften einerseits und Treuhandverträgen andererseits kann zu deutlich höheren Steuern führen, wenn in einer Gemeinschaft regelmäßig Veränderungen bei den Beteiligten und/oder bei der Höhe ihrer Beteiligung auftreten. Zudem ist bei Investitionen für andere stets zu klären, ob eine genehmigungspflichtige Tätigkeit nach dem KWG vorliegt.

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